Brücken bauen: Pflegekräfte aus Pakistan für Österreich gewinnen
In St. Pölten, wo die Caritas der Diözese aktiv gegen den Fachkräftemangel in der Pflege ankämpft, ist Generalsekretär Christoph Riedl gerade von einer spannenden Reise zurückgekehrt. Gemeinsam mit dem KURIER hat er Pakistan besucht, ein Land, das in letzter Zeit oft in den internationalen Nachrichten war. Und zwar nicht nur wegen der geopolitischen Lage, sondern auch, weil es hier eine junge, aufstrebende Bevölkerung gibt, die dringend nach Möglichkeiten sucht, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Riedl betont, dass Pakistan oft in einem negativen Licht gesehen wird, doch die Menschen dort wünschen sich eine differenzierte Wahrnehmung und möchten als konstruktive Partner wahrgenommen werden.
Die Caritas plant, Pflegekräfte aus Pakistan nach Österreich zu holen, um dem akuten Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Ein Pilotprojekt mit dem Partner MALC wurde ins Leben gerufen, um zunächst zwischen 10 und 15 Pflegekräfte nach Österreich zu bringen. Im ersten Schritt werden wahrscheinlich vier Pflegekräfte ankommen. Interessant dabei ist, dass für jede Pflegekraft, die hierher kommt, ein Stipendium für eine weitere Person in Pakistan finanziert wird. So wird nicht nur der heimische Mangel an Pflegekräften bekämpft, sondern auch die lokale Versorgung in Pakistan unterstützt. Riedl spricht von einer Win-win-Situation.
Ein neuer Lebensweg für Pflegekräfte
Es ist kein Geheimnis, dass viele Pflegekräfte und deren Familien den Schritt nach Österreich unterstützen. In Pakistan ist es üblich, für Ausbildung oder Beruf in andere Regionen oder ins Ausland zu gehen. Diese Tatsache eröffnet den Pflegekräften die Möglichkeit, langfristig in Österreich zu bleiben oder nach einigen Jahren nach Pakistan zurückzukehren. Riedl hebt hervor, dass die Caritas bereits in Pakistan Deutschkurse anbietet und in Österreich Wohnraum zur Verfügung stellt. So wird der Übergang in die neue Kultur und den Arbeitsalltag erleichtert. Die Pflegekräfte werden von erfahrenen Kollegen begleitet, was ihnen hilft, sich schneller einzuleben und zurechtzufinden.
Nehmen wir das Beispiel von Argnesa Avdyli, einer schüchternen Auszubildenden zur Pflegekraft, die vor etwas mehr als einem Jahr aus dem Kosovo nach Brandenburg gekommen ist. Sie trägt eine weiße Uniform mit einem Namensschild und wirkt ein wenig nervös, während sie sich auf den Weg zu einem Patienten macht. Das Blutdruckmessen gehört zu den wenigen Aufgaben, die sie im zweiten Lehrjahr allein übernehmen darf. Solche Geschichten sind nicht isoliert – sie spiegeln eine größere Realität wider, in der Pflegekräfte aus verschiedenen Ländern nach Deutschland und Österreich kommen, um die Lücken zu füllen.
Herausforderungen der Fachkräfteanwerbung
Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, so wichtig sie ist, bringt auch Herausforderungen mit sich. Die Bundesregierung hat erkannt, dass bestehende Hürden wie administrative Verfahren und mangelnde Integrationsmaßnahmen abgebaut werden müssen. Es ist ein langfristiger Prozess, der Monate bis Jahre in Anspruch nehmen kann. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im Juni 2023 reformiert wurde, soll die Zuwanderung qualifizierter Pflegekräfte erleichtern. Neue Regelungen, die im November 2023 in Kraft treten, bieten mehr Verfahrenssicherheit und ermöglichen es ausländischen Fachkräften, bis zur Anerkennung ihrer Qualifikationen als Hilfskräfte zu arbeiten.
Diese Entwicklungen sind entscheidend, um die Pflegebranche auf ein neues Level zu heben und die Bedingungen für alle Beteiligten zu verbessern. Gleichzeitig ist es wichtig, die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen in beiden Ländern zu betonen. Riedl spricht von einer positiven Kultur des Willkommens, die sowohl in St. Pölten als auch in Pakistan spürbar ist. In einer Zeit, in der die Welt oft von Unsicherheiten geprägt ist, ist es ermutigend zu sehen, wie durch solche Initiativen Brücken zwischen Kulturen geschlagen werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Projekte entwickeln werden und welche Geschichten wir in Zukunft noch hören werden.
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