Über 1.000 leidenschaftliche Bäuerinnen und Bauern fanden sich am vergangenen Wochenende in Wieselburg ein, um beim NÖ Bauerntag das 120-jährige Bestehen des NÖ Bauernbundes gebührend zu feiern. Die Wieselburger Messe bot den perfekten Rahmen für diesen festlichen Anlass, bei dem nicht nur die Geschichte, sondern auch die aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft im Fokus standen. Landeshauptfrau Stephan Pernkopf, der mit viel Engagement an der Veranstaltung teilnahm, forderte eine klare Trendumkehr. „Leben muss leichter werden!“, so seine Worte, und er bat um mehr Eigenverantwortung und Vertrauen – weniger Regeln und Kontrollen. Ein eindringlicher Appell an die Volkspartei, die anstehende Wahlen möglichst erfolgreich zu gestalten, war unüberhörbar.
Inmitten der Feierlichkeiten machte Pernkopf klar, dass es höchste Zeit sei, die gleichen Produktionsbedingungen für alle zu schaffen. Ein Importstopp für Produkte, die nicht den österreichischen Standards entsprechen, wurde als unerlässlich erachtet. Auch Bundeskanzler Christian Stocker ließ sich nicht nehmen, Stellung zu beziehen. Er sprach sich entschieden gegen Vermögenssteuern aus und forderte mehr Transparenz bei den Produktionsstandards. An seiner Seite betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Wichtigkeit fairer Rahmenbedingungen für die Landwirte. Die anhaltende Trockenheit stellt nicht nur eine Herausforderung dar, sondern auch einen Anreiz, wie sie ankündigte, Investitionen in Bewässerungsprojekte voranzutreiben.
Ein Fest für die ganze Familie
Der NÖ Bauerntag war mehr als nur ein politisches Event. Ein festlicher Umzug mit dem Einzug der Bauernbundfahnen und fröhlichem Frühschoppen sorgte für eine ausgelassene Stimmung. Kinder konnten sich bei Aktivitäten wie „Landwirtschaft begreifen“ austoben, die Hüpfburg bespringen oder sich beim Kinderschminken in kleine Bauern oder Tiere verwandeln lassen. Der NÖ Bauernbund, der am 24. Juni 1906 ins Leben gerufen wurde und heute rund 100.000 Mitglieder zählt, hat sich als eine der größten politischen Organisationen des Landes etabliert. Bei der kommenden NÖ Landwirtschaftskammerwahl 2025 hat der Bauernbund mit einem beeindruckenden Ergebnis von 82 Prozent das beste Resultat aller Kammerwahlen in Österreich erzielt.
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Herausforderungen für Bäuerinnen und Bauern nicht weniger werden. Die Landwirtschaftskammer OÖ hat klare Ziele für das Agrarjahr 2026 formuliert. Die Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 stehen an, ebenso wie Entscheidungen zum Mercosur-Abkommen und die Umsetzung des EU-Ukraine-Handelsabkommens. Klimaschutz ist ein großes Thema, und die Einführung von Klimazöllen für Düngemittel könnte weitreichende Folgen haben. Die EU-Regulierungen müssen praxistauglich gestaltet werden, denn überzogene Auflagen belasten viele bäuerliche Familienbetriebe. LK-Präsident Franz Waldenberger und Kammerdirektor Karl Dietachmair fordern deshalb weniger Ideologie und mehr praktikable Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die Planungssicherheit für die Betriebe schafft.
Es bleibt also spannend, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln und welche Schritte nötig sind, um die wertvolle Lebensmittelproduktion in Österreich auch weiterhin zu sichern. Die Bäuerinnen und Bauern hoffen auf ein ertragreiches Jahr 2026, während sie gleichzeitig die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen.