In den letzten Jahren ist es um die alten Sorten in der Landwirtschaft ruhig geworden – zu ruhig. Doch das könnte sich bald ändern. Die EU plant eine umfassende Vereinheitlichung jahrzehntealter Saatgutgesetze, und das hat sowohl die leidenschaftlichen Gärtner als auch die Kritiker auf den Plan gerufen. Alte Sorten, die resistenter gegen die Launen des Klimas sind, könnten ins Hintertreffen geraten, wenn neue Regelungen in Kraft treten. Besonders in unserem Bezirk Scheibbs engagieren sich viele Menschen, um die Vielfalt der alten Pflanzensorten zu bewahren.

Michaela Hofer, eine bewusste Gärtnerin aus Göstling an der Ybbs, hat Bedenken. Sie sieht durch die neue Gentechnikverordnung, die Patente auf Eigenschaften von Saatgut ermöglicht, eine ernsthafte Bedrohung für das Tauschen von altem Saatgut. „Das nützt nur den großen Konzernen“, sagt sie und macht damit auf die Herausforderungen aufmerksam, die vor der heimischen Bio-Landwirtschaft stehen. Ihre Leidenschaft für alte Sorten spiegelt sich in ihrem Garten wider, wo sie Teil des Netzwerks „Arche Noah“ ist, das ein Sortenportal für den Erwerb und Tausch von Saatgut anbietet.

Die Vielfalt der alten Sorten

Ein weiterer engagierter Akteur ist Monika Vesely aus Steinakirchen, die mit ihrem „KräuterKraftWerk“ ebenfalls alte Sorten kultiviert. Ihre Pflanzen sind nicht nur ökologisch wertvoller, sondern auch resistenter gegen Schädlinge. Das bedeutet weniger Spritzmittel im Einsatz und letztlich gesündere Produkte für alle. Alte Sorten haben einfach ihr ganz eigenes, unverwechselbares Aroma – das merkt man beim ersten Biss in eine alte Tomate oder eine historische Karotte. Geschmäcker, die man nicht so schnell vergisst!

Doch die Herausforderungen sind vielfältig. Alte Pflanzensorten, auch als Landsorten bekannt, erfüllen oft nicht die strengen Anforderungen an Registermerkmale wie Unterscheidbarkeit und Homogenität. Die Erhaltungssortenverordnung, die im Juli 2009 eingeführt wurde, soll hier Abhilfe schaffen und die Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen und die Agrobiodiversität sichern. Erhaltungssorten können in einem vereinfachten Verfahren zugelassen werden, wenn die Gefahr genetischer Erosion besteht. Das klingt alles gut, aber die Realität ist oft komplizierter.

Ein Schritt in die Zukunft

Wichtig ist, dass die alten Sorten auch in Zukunft ihren Platz in unseren Gärten und auf unseren Tellern haben. Eine amtliche Anerkennung ist zwar nicht zwingend notwendig, aber die Qualitätsanforderungen bleiben hoch. Es gibt sogar eine Rote Liste, die dem Bundessortenamt als Referenz dient, um die Bedeutsamkeit einer Sorte als pflanzengenetische Ressource festzustellen. Für viele Gärtner ist das ein Lichtblick, denn eine Zulassung als Erhaltungs- oder Amateursorte ist ohne weitere Bescheinigung möglich. Diese kleinen Schritte sind entscheidend, um die Vielfalt der Pflanzenwelt zu bewahren.

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In Scheibbs und Umgebung gibt es viele Menschen, die sich für diese alte Vielfalt starkmachen. Das Tolle daran? Jeder kann mitmachen! Ob im eigenen Garten oder im Austausch über Plattformen wie „Arche Noah“ – die Leidenschaft für alte Sorten verbindet und stärkt die Gemeinschaft. Und wie sagt man so schön? „Wer die Vielfalt hat, hat die Wahl!“

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