Lumpazivagabundus im Schlosshof: Ein unvergesslicher Theaterzauber in Horn
In Horn, wo die Uhren manchmal ein bisschen langsamer ticken, wird das Schloss Weitra Festival zum Schauplatz eines ganz besonderen Theatersommers. Wer hätte gedacht, dass klassisches Sommertheater so lebendig und schwungvoll sein kann? Intendant Peter Hofbauer hat mit seiner Idee, bedeutende Theaterwerke mit den Melodien berühmter Komponisten zu verbinden, ein neues Genre erschaffen, das die Zuschauer in seinen Bann zieht. In diesem Jahr steht das Stück „Lumpazivagabundus“ von Johann Nestroy auf dem Programm, und die musikalische Untermalung stammt von Carl Michael Ziehrer, einem fast vergessenen Meister der Unterhaltungsmusik.
Das Besondere an dieser Inszenierung ist die Mischung aus Humor und Tiefgang. „Lumpazivagabundus“ erzählt die Geschichte von drei mittellosen Handwerksgesellen, die durch einen Lottogewinn von 100.000 Gulden in eine moralische Zwickmühle geraten. Glück allein – reicht das, um ein Leben grundlegend zu verändern? Nur einer von ihnen kann das unerwartete Glück sinnvoll nutzen. Diese spannende Frage wird im romantischen Schlosshof von Weitra mit einem Bühnenbild, das die passende Atmosphäre schafft, lebendig. Andy Lee Lang brilliert in der Rolle des Lumpazivagabundus und versucht den Schuster Knieriem, gespielt von Martin Muliar, von einem besseren Leben durch Fleiß abzubringen. Aber das ist noch nicht alles – auch der Tischler Leim und sein Freund, der Schneider Zwirn, finden ihren Weg zu einer neuen Lebensweise.
Ein Theatererlebnis für alle Sinne
Die Inszenierung ist nicht nur schauspielerisch ein Hochgenuss – die musikalische Perfektion und die meisterhafte Regie machen den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Besonders praktisch ist der überdachte Schlosshof, der auch bei wechselhaftem Wetter für Theatervergnügen sorgt. Die Vorstellungen laufen noch bis zum 2. August 2026 – also nichts wie hin!
Aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange! Nach dem Erfolg von „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ im Herbst 2025 wird das Wiener Metropol ab dem 1. Oktober 2026 ebenfalls „Lumpazivagabundus“ auf die Bühne bringen. Es ist schon beeindruckend, wie dieses Stück, das als Glanzstück des Österreichischen Volkstheaters gilt, immer wieder neu interpretiert wird. Die Musik von Ziehrer, einem Komponisten, der für seine hunderten Tänze und Märsche bekannt ist, wird dabei eine zentrale Rolle spielen.
Carl Michael Ziehrer – Ein fast vergessener Meister
Carl Michael Ziehrer, geboren am 2. Mai 1843 in Wien, war ein Kapellmeister und Komponist, der die Musikszene des 19. Jahrhunderts prägte. Mit seinen Operetten und unzähligen Märschen ist er ein Stück österreichischer Kulturgeschichte. Sein Werk umfasst unter anderem die bekannte „Fächerpolonaise“ und verschiedene Walzer, die auch heute noch in den Konzertsälen erklingen.
Er war ein vielseitiger Künstler, der nicht nur in Wien, sondern auch international Anerkennung fand. Ziehrer war mehrfach Kapellmeister eines k.k. Infanterieregiments und trat sogar bei der Weltausstellung in Chicago 1893 auf. Seine letzte Komposition, „Mein Herz lass‘ ich in Wien zurück“, entstand kurz vor seinem Tod am 14. November 1922. Er wurde auf dem Zentralfriedhof in Wien beigesetzt, und sein Grab ist heute ein Ehrengrab.
Die Vorfreude auf die kommenden Inszenierungen ist groß. „Lumpazivagabundus“ wird weiterhin die Herzen der Zuschauer erobern, während wir uns gleichzeitig auf den neuen Schwung im Wiener Metropol freuen dürfen. Das Stück hat nichts von seiner Faszination verloren und wird auch in Zukunft ein Publikumsmagnet bleiben.
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