Im malerischen Radlbrunn, genauer gesagt im Kulturpavillon Brandlhof, hatten sich am Mittwochabend rund 250 Gäste zusammengefunden, um ein ganz besonderes Event zu erleben. Herbert Prohaska, die Fußball-Legende, und Erwin Pröll, der Ex-Landeshauptmann, plauderten über ihr Leben, ihre Karrieren und die Freundschaft, die sie über die Jahre entwickelt haben. Unter dem humorvollen Moderationsstil von Rainer Pariasek wurde ein Abend voller Geschichten und Erinnerungen geschaffen, der sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich war.
Prohaska, der in Simmering seine bescheidenen Anfänge nahm, erzählte lebhaft von seiner Zeit als Amateurspieler bei Vorwärts XI und Ostbahn XI. Mit 17 Jahren wechselte er zur Austria Wien und von dort aus ging es steil bergauf – durch internationale Karrieren bei Inter Mailand und AS Roma, an die sich viele Fans noch heute erinnern. In 84 Länderspielen für Österreich, darunter das berühmte Tor „Spitz von Izmir“ gegen die Türkei, das zur WM-Teilnahme 1978 führte, hat er Geschichten geschrieben, die in die Fußballgeschichte eingegangen sind. „Ich möchte, dass die zukünftigen Generationen mich als guten Menschen in Erinnerung behalten“, so Prohaska spürbar stolz.
Ein Abend voller Einblicke
Erwin Pröll, in seiner Rolle als Rapid-Anhänger, stellte den Vergleich zwischen Politik und Spitzensport an: „Die Anforderungen sind ähnlich, es braucht Führungspersönlichkeiten!“ Dabei wurde deutlich, wie wichtig Werte wie Talent, Ausdauer, Disziplin, Teamgeist und der Mut zu unpopulären Entscheidungen sind. Auch die Rolle der Familie wurde von beiden als wichtiger Rückhalt hervorgehoben. „Ohne Familie geht es nicht“, betonte Pröll und man spürte, dass diese Worte von Herzen kamen.
Die Veranstaltung, die 90 Minuten dauerte, war nicht nur ein Gespräch, sondern auch eine Plattform für persönliche Einblicke in das Leben der beiden Herren. Prohaska dankte Pröll für das Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich, während sie gemeinsam über Tennisgewinne scherzten und die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft diskutierten. Die Atmosphäre war entspannt, und selbst aktuelle Sorgen über das Leben in Österreich wurden besprochen. Ein Glas Grünen Veltliner zum Abschluss, und der Abend klang gemütlich aus.
Der Fußball in Österreich
Ein kurzer Blick in die Geschichte des österreichischen Fußballs zeigt, dass dieser bereits 1894 seinen Anfang nahm. Klaus Dermutz hat in seinem Buch „Kleine Geschichte des österreichischen Fußballs in 90 Minuten“ bedeutende Ereignisse aufbereitet, darunter die Erfolge des „Österreichischen Fußball-Wunderteams“ in den 1930er Jahren und den 3. Platz bei der Fußball-WM 1954 in der Schweiz. Auch Trainerlegenden wie Hugo Meisl und Ernst Happel finden Erwähnung. Das Buch wird als ideales Einsteigerwerk für Sammler und Chronisten empfohlen, auch wenn es für Kenner der Materie nicht viel Neues bereithält.
So schloss der Abend in Radlbrunn, bei dem lokale Politiker, Fußballfunktionäre und zahlreiche Gäste, darunter auch Sissi Pröll und Naturfotograf Josef Stefan, anwesend waren. Für das leibliche Wohl sorgte Karl Riepl aus Hollabrunn, der mit seiner Kulinarik für das Wohl der Gäste verantwortlich war. Ein gelungener Abend, der in Erinnerung bleibt.