Im Bezirk Gänserndorf, genauer gesagt im Marchfeld, gibt es einen kleinen, scheuen Vogel, dessen Überleben auf der Kippe steht: Der Triel. Diese bemerkenswerte Vogelart, die etwa 45 cm hoch ist und ein hell- und dunkelbraunes Gefieder trägt, hat seit den 1990er Jahren die Aufmerksamkeit von Zoologen wie Rainer Raab auf sich gezogen. Raab, der ein Technisches Büro für Biologie führt, beobachtet den Triel seit Jahrzehnten und hat viel über sein Verhalten und seine Lebensweise herausgefunden.
Vor nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2008, war der Trielbestand im Marchfeld auf einem historischen Höchststand mit sieben Reviere. Doch die Herausforderungen, vor denen diese Vogelart steht, sind nicht zu unterschätzen. Der Triel zieht direkt über die Sahara, was seine Population gefährdet. Die Rückkehr eines Brutpaares und eines männlichen Triels aus Afrika ist ein Lichtblick in düsteren Zeiten.
Artenschutz und Verkehrsplanung
Die geplante Marchfeldschnellstraße S8, die den Verkehr im Marchfeld entlasten sollte – täglich kämpfen tausende Fahrzeuge mit den schmalen Straßen – wurde vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt. Der Grund? Der Artenschutz für den Triel würde verletzt werden. Es zeigt sich also, dass der Schutz dieser einzigartigen Vogelart nicht nur eine Frage des Naturschutzes ist, sondern auch der Verkehrsplanung in der Region. Raab ist der Meinung, dass der Triel möglicherweise mit Lärm umgehen kann und sogar seine Brutflächen verlegt, was die Situation komplexer macht.
Und während Raab einen ungarischen Triel besendert hat, um dessen Flugbewegungen zu verfolgen, wird auch deutlich, dass es im Marchfeld nicht nur um den Triel geht. Laut dem WWF ist die Diskussion um die Schnellstraße eng verbunden mit wichtigen Themen wie Klima- und Bodenschutz. Es geht hier um viel mehr als „nur“ um einen Vogel – es steht die gesamte Umwelt im Fokus. Das Marchfeld ist ein ökologisch wertvolles Gebiet, und der Triel ist nur eine von vielen Arten, die hier leben.
Ein Blick in die Zukunft
Im Frühling 2024 wird der neue Österreichische Brutvogelatlas veröffentlicht. Er wird die Verbreitung von 235 Vogelarten in Österreich zwischen 2013 und 2018 dokumentieren und die Erkenntnisse aus dem ersten Brutvogelatlas von 1993 mit den aktuellen Daten vergleichen. Es wird spannend zu sehen, wie sich die Vogelpopulationen entwickelt haben und welche Lehren aus den vergangenen Jahrzehnten gezogen werden können.
Die Datenerhebung wird durch Citizen Science unterstützt, und mehr als 2.300 ehrenamtliche Kartierer:innen haben über 2,1 Millionen Datensätze gesammelt. Das zeigt, wie sehr die Menschen hierzulande an ihrer Natur interessiert sind und bereit sind, ihren Teil zum Schutz der heimischen Artenvielfalt beizutragen.
Inmitten all dieser Herausforderungen und Bemühungen bleibt der Triel eine beeindruckende Vogelart, die es verdient, geschützt zu werden. Denn wenn wir nicht aufpassen, könnte unser heimisches Marchfeld bald nicht nur den Triel, sondern viele andere Arten verlieren.