Wenn man an Notsituationen denkt, kommen einem oft die klassischen Horrorszenarien in den Kopf: Eine zugefallene Tür, eine kaputte Heizung mitten im strengen Winter oder ein Wasserrohrbruch, der das gesamte Badezimmer überflutet. Und genau in solchen Momenten, wenn die Nerven blank liegen und die Zeit drängt, sind viele Menschen gezwungen, auf Notdienste zurückzugreifen. Doch Vorsicht – nicht alle, die sich als Retter in der Not ausgeben, sind auch echte Helfer. Wenn wir der Konsumentenschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz Glauben schenken, kann es da ganz schön schiefgehen.

Im Jahr 2025 registrierte Pro Konsument 120 Fälle von geschädigten Konsumenten im Bereich Installateur und Elektriker. Das ist nicht einfach nur eine Zahl – das sind Menschen, die in einer verzweifelten Lage über den Tisch gezogen wurden. Oft hören sie von horrenden Rechnungen, die schnell über 1.000 Euro liegen, inklusive teurer Anfahrtskosten und unverschämter Zuschläge. Die Rückforderungen sind ein weiteres Kapitel für sich, denn viele unseriöse Firmen sind schlichtweg nicht mehr auffindbar. Und wenn man dann noch unter Druck gesetzt wird, bar zu bezahlen – ja, da ist die Verzweiflung perfekt.

Abzocke im Notfall

Es ist fast wie ein schlechter Film: Man ruft einen Notdienst an, der vermeintlich schnell helfen kann. Doch oft landet man bei Anbietern, die durch hohe Suchmaschinenplatzierungen oder in den Gelben Seiten glänzen, aber letztlich die Preise dafür ordentlich aufblasen. Die ersten Anzeichen sind oft schon beim Anruf zu erkennen – kostenfreie 0800-Nummern oder regionale Nummern, die in Wirklichkeit zu Vermittlungsplattformen führen. Vor Ort angekommen, entpuppen sich diese Notdienste dann häufig als Drückerkolonnen. Die Rechnung, die man präsentiert bekommt, ist alles andere als ein Schnäppchen. Oft wird für vermeintlich einfache Arbeiten ein kleines Vermögen verlangt, während man gleichzeitig mit Spezialgeräten und unerwarteten Zusatzkosten konfrontiert wird.

Was tun, wenn man selbst in dieser misslichen Lage steckt? Isabella Mittelstrasser von Pro Konsument hat einige hilfreiche Tipps parat. Zum Beispiel: Überlegen, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt. Oft reicht es, einen Moment innezuhalten und die Situation zu bewerten. Sind die Anzeichen für einen echten Notfall gegeben? Und falls ja – vielleicht sollte man gleich mehrere Angebote von heimischen Unternehmen einholen, bevor man sich für einen Anbieter entscheidet. Ein bisschen Recherche kann hier wahre Wunder wirken. Und ja, die Nummer eines geprüften regionalen Betriebs im Handy zu speichern, ist keine schlechte Idee.

Haustürgeschäfte und ihre Tücken

Ein weiterer Bereich, der oft für Verwirrung sorgt, sind Haustürgeschäfte. Laut einer Umfrage halten sage und schreibe 98 Prozent der Befragten diese Art von Geschäften für ungeeignet, um Verträge abzuschließen oder Produkte zu kaufen. Man fühlt sich oft unter Druck gesetzt oder hat einfach Angst, über den Tisch gezogen zu werden. Zurecht, denn viele unseriöse Anbieter nutzen genau solche Unsicherheiten aus. Auch wenn Haustürgeschäfte grundsätzlich erlaubt sind, bedarf es keiner vorherigen Einwilligung des Verbrauchers. Die 14-tägige Widerrufsfrist, die oft kaum ausreichend ist, wird von vielen als zu kurz empfunden.

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Wer sich dann noch über unbestellte, überteuerte Dienstleistungen ärgert, hat es besonders schwer. Das Widerrufsrecht erlischt oft, sobald die Dienstleistung erbracht wurde – vorausgesetzt, man wurde korrekt belehrt. Die Verbraucherzentrale sieht hier Handlungsbedarf und fordert eine Erhöhung der Widerrufsfrist auf 30 Tage. Und man muss auch erwähnen, dass seit Ende Mai 2022 Anbieter bei unerbetenen Haustürbesuchen ab 50 Euro keine sofortige Zahlung mehr verlangen dürfen. Das ist ein kleiner Fortschritt, aber noch lange nicht genug.

In Anbetracht all dieser Aspekte ist es wichtig, wachsam zu bleiben. Gerade in Stresssituationen, wo die Nerven angespannt und die Geduld am Ende ist, sollte man sich nicht überrumpeln lassen. Die Konsumenten sollten sich nicht scheuen, im Zweifel die Polizei zu rufen, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Schließlich gibt es auch seriöse Betriebe, die ihren Job gewissenhaft und fair machen – auch wenn man sie manchmal erst finden muss.

Die Smartphone-App „Mein Aufsperrdienst“ und die Homepage www.aufsperrdienst.at können hier durchaus nützlich sein. Manchmal ist ein bisschen Vorarbeit alles, was nötig ist, um nicht in die Abzockfalle zu tappen. Ein gesundes Misstrauen kann oft der beste Schutz sein.