Heute ist der 30.05.2026 und während die Sonne über das Lavanttal aufgeht, gibt es nicht nur die ersten Vogelzwitschern zu hören, sondern auch die Vorfreude auf die kommende Buschenschanksaison. Doch die Situation ist nicht mehr ganz so rosig wie vor einigen Jahren. Statt fünf existierender Buschenschenken, die in die Saison starten, sind es heuer nur drei Betriebe, die sich der Herausforderung stellen. Das ist schon ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, dass es vor 15 Jahren noch 15 „echte“ Buschenschenken im Bezirk Wolfsberg gab. Wo sind all die guten alten Zeiten hin?
Die Gründe sind vielfältig. Viele Betriebe mussten aufgrund strenger gesetzlicher Vorgaben oder wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeben. Das erweiterte Buschenschankgesetz von 2020 hat zwar einige Erleichterungen gebracht, wie flexiblere Öffnungszeiten und eine vereinfachte Speisenverarbeitung, doch die Realität sieht anders aus. Es bleibt ein begrenzter Zukauf regionaler Produkte, der auf 25 Prozent der Gesamtmenge beschränkt ist. Ein echter Balanceakt für die Betreiber, die trotz der Herausforderungen weiterkämpfen.
Die Überlebenskünstler
Martina Lippitz und Elisabeth Vallant sind zwei der wenigen, die den Mut nicht verloren haben. Martina führt den Buschenschank ihrer Eltern seit 2011 und feiert bald 30 Jahre Bestehen. Ihre Speisen sind nicht nur regional, sondern oftmals auch vegetarisch, was bei den Gästen sehr gut ankommt. Elisabeth betreibt sogar einen Pop-Up-Buschenschank, der freitags geöffnet ist und ebenfalls mit einer vegetarischen Karte punktet. Diese beiden Frauen zeigen, dass man auch in schwierigen Zeiten kreativ sein kann.
Roswitha Plösch, eine weitere Betreiberin, hat trotz der Wetterabhängigkeit und der hohen Arbeitsbelastung eine positive Sicht auf die Zukunft der Buschenschenken. Trotz aller Widrigkeiten gibt es immer wieder neue Betriebe, die den Sprung wagen und eine Buschenschank eröffnen. Doch die bürokratischen Hürden sind enorm: von rechtlichen Anforderungen bis hin zu Hygieneleitlinien, die man beachten muss. Das Kärntner Buschenschenkengesetz gilt als eines der strengsten in Österreich und stellt so manchen vor große Herausforderungen.
Ein Blick in die Zukunft
Gerhard Schifferl vom Buschenschank Neuhauser hat vorübergehend dichtgemacht und öffnet nur für private Feiern. Das ist zwar schade, aber auch verständlich, wenn man bedenkt, wie viele Betriebe mittlerweile zu gewerblichen Jausenstationen geworden sind. Der Ab-Hof-Verkauf von Produkten wie Most und Schnaps bleibt jedoch bestehen – das hat immerhin eine lange Tradition im Lavanttal.
Die Landwirtschaftskammer Kärnten hat festgestellt, dass viele Betriebe ihre Konzepte anpassen mussten, um zu überleben. Und während die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt, bleibt die Frage, ob die bestehenden Gesetze und Regularien mit der Zeit gehen können. Ein Umlaufbeschluss zur Novelle des Buschenschankgesetzes wurde bereits gefasst, mit dem Ziel, Erleichterungen für die Betreiber noch in dieser Saison zu realisieren. Ob das tatsächlich zu einer spürbaren Verbesserung führen wird? Das bleibt abzuwarten.
Die fünf verbliebenen Buschenschenken im Lavanttal, die trotz aller Widrigkeiten ihren Platz behaupten, sind: Stefanie Pirker in Reisberg, Franz Ziery in Prebl, Elisabeth Vallant in Wolfsberg, Martina Lippitz in St. Paul und Gerhard Schifferl in Weißenegg, auch wenn letzterer derzeit keinen laufenden Betrieb hat. Es bleibt spannend, wie sich die Buschenschankkultur im Lavanttal weiterentwickeln wird. Vielleicht bringt die neue Saison ja frischen Wind und ein paar neue Gesichter in die gemütlichen Stuben.