Netzraum Kärnten: Ein Mammutprojekt zwischen Fortschritt und Widerstand
Im Congress Center Villach, da wo sich die Geister der Gegenwart und Zukunft treffen, fand am 2. Juli eine Veranstaltung von bemerkenswertem Interesse statt. Die große Erörterung des Megaprojekts „Netzraum Kärnten“ lockte rund 100 Menschen an – eine bunte Mischung aus Bürgerinitiativen, engagierten Bürgern aus Villach und Osttirol. Es wurde über die geplante 380kV-Leitung diskutiert, die die Umspannwerke Obersielach und Lienz miteinander verbinden soll. Man spürte die Aufregung in der Luft, als die Vertreter von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz (KNG) ihre Pläne vorstellten.
Doch was steckt hinter diesem Mammutprojekt? Nun, die Experten prognostizieren volkswirtschaftliche Mehrkosten von satten 1 Milliarde Euro für die heimische Wirtschaft in naher Zukunft. Und als ob das nicht genug wäre, wird für das Jahr 2025 sogar ein negativer Strompreis erwartet. Die Verdopplung des Strombedarfs bis 2040 ist ein weiteres Warnsignal. Um die Klimaziele bis 2040 zu erreichen, ist ein massiver Ausbau des Stromnetzes unerlässlich – da führt kein Weg dran vorbei!
Die Dimensionen der Masten
Die geplanten Masten der 380kV-Leitung werden zwischen 60 und 90 Meter hoch sein, mit Abständen von 10 bis 20 Metern. Ein beeindruckendes, wenn nicht gar imposantes Bild, das da in der Landschaft entstehen könnte. Doch nicht alle sind begeistert. Bürgerinitiativen äußern Widerstand gegen das Vorhaben und weisen auf gesundheitliche Bedenken hin. APG-Projektleiter Wolfgang Hafner nahm den Wind aus den Segeln, indem er diese Bedenken zurückwies. Die Grobtrasse, die im Herbst 2025 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hat sich mittlerweile um mehr als 20 Prozent von den ursprünglichen Planungen entfernt. Jetzt stehen die Feintrassen auf der Agenda, und die sollen diesen Herbst folgen.
Was die Leute besonders bewegt? Die Herausforderung bei der Trassenfindung, vor allem in Landskron – ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Die APG und KNG betonen jedoch die Notwendigkeit dieses Projekts für die regionale und europäische Stromversorgung. Ein kleiner Lichtblick: Zwei 110kV-Leitungen sollen demontiert und in den neuen Leitungsbau integriert werden. Aktuell wird auch an zwei Varianten für Velden gefeilt.
Der 380-kV-Hochspannungsring und seine Bedeutung
Wenn man sich die Dimensionen des 380-kV-Hochspannungsrings in Ostösterreich vor Augen führt, wird klar, warum dieses Projekt so wichtig ist. Dieses Höchstspannungsnetz, betrieben von der APG, hat eine Spannung von 380 kV und spielt eine zentrale Rolle beim überregionalen Energieaustausch innerhalb Österreichs. Der Ring selbst durchquert nicht nur Kärnten, sondern auch Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und sogar einen kleinen Teil Tirols. Die größten Verbraucher wie Salzburg, Linz, Wien und Graz sind entlang dieses Rings strategisch positioniert.
Die Verbindung zu den Nachbarstaaten, wie Tschechien, Ungarn und Slowenien, verleiht dem Netz zusätzliche Bedeutung. Es ist ein bisschen wie ein riesiges Spinnennetz – je mehr Verbindungen, desto stabiler das Ganze. In Kärnten ist der 380-kV-Lückenschluss zwar weniger dringend, da das 220-kV-Netz dort hohe Kapazitäten aufweist, aber die Umstellung auf 380 kV oder sogar ein Neubau ist für etwa 2030 geplant. Ein spannendes Thema, das uns in den kommenden Jahren noch beschäftigen wird!
Die Diskussion im Congress Center Villach hat gezeigt, dass die Bevölkerung ein großes Interesse an diesen Themen hat. Der Austausch über Energienetze, neue Technologien und die Herausforderungen der Zukunft wird uns alle betreffen – und das nicht nur hier in Kärnten. Ein Thema, das kein Ende zu nehmen scheint und uns zum Nachdenken anregt.
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