Im Herzen von St. Veit an der Glan wird derzeit eine eindrucksvolle Sonderausstellung im Stadtmuseum eröffnet, die den Titel „Kampfzone St. Veit“ trägt. Diese Ausstellung widmet sich der politischen Geschichte und den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs auf regionaler Ebene und zeigt die tiefgreifenden Veränderungen, die die Stadt zwischen 1930 und 1945 durchlebt hat. Die Kuratoren Stefan Regenfelder, Philipp Novak und Nadine Gabron haben sich zum Ziel gesetzt, die lokalen Dokumente und Erinnerungen an diese bewegte Zeit aufzuarbeiten.
Ein prägender Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Jahr 1930, das letzte Jahr freier Wahlen der Ersten Republik in Kärnten. Die Präsentation umfasst eine Vielzahl von Originaldokumenten, darunter die Umbenennung des Hauptplatzes in „Adolf-Hitler-Platz“ im Jahre 1938, die Auflösung des Arbeiterheims 1934 sowie die Ernennung von Gottfried Stenitzer als Gemeindeverwalter. Besonders eindrücklich wird auf die Ereignisse des Juliputsches 1934 eingegangen, als die Nationalsozialisten zentrale Punkte der Stadt besetzten.
Lebenswege im Fokus
Die Ausstellung thematisiert die Lebenswege von drei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten: Joseph Buttinger, Ludwig Hülgerth und Friedrich Rainer. Joseph Buttinger, der 1926 nach St. Veit kam, war Hortleiter der Kinderfreunde und engagierte sich stark in der Jugendarbeit. Nach dem Parteiverbot 1934 agierte er im Untergrund, wurde verhaftet und floh nach Wien. Dort half er rund 3000 Flüchtenden vor dem NS-Terror. In einer ORF-Sendung aus dem Jahr 1974 schilderte Buttinger in einem einstündigen Monolog sein Leben und sein Engagement, unter anderem für Vietnam. Aufgewachsen in einer bitterarmen, kinderreichen Arbeiterfamilie, erlebte er im Arbeitermilieu Gleichheit und widmete sich der Bildung.
Zu den weiteren Schicksalen gehört Ludwig Hülgerth, der aus einer Wiener Offiziersfamilie stammte. Nach seiner Ernennung zum Kärntner Landeshauptmann 1934 und Vizekanzler 1936 geriet er 1938 unter Hausarrest und verstarb kurz vor dem Angriff auf Polen. Dies zeigt, wie schnell sich die politische Landschaft verändern konnte.
Friedrich Rainer hingegen war gebürtiger St. Veiter und ein Gründungsmitglied der NSDAP-Ortsgruppe St. Veit. Er trat 1934 der SS bei und wurde Gauleiter von Salzburg und später Kärnten, wo er maßgeblich für die Deportationen und Verfolgungen von Juden und Slowenen verantwortlich war. Nach dem Krieg wurde er vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Diese drei Lebenswege spiegeln die Komplexität und die unterschiedlichen Facetten der damaligen Zeit wider.
Widerstand und seine Wahrnehmung
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich war komplex und umstritten. Während in vielen europäischen Ländern der Kampf gegen den Faschismus die politische Kultur prägte, war dies in Österreich weniger eindeutig. Nach 1945 war der Widerstand zunächst ein Teil der politischen Legitimation, verlor jedoch schnell an Bedeutung. Die Eingliederung ehemaliger Nationalsozialisten wurde ab 1948 priorisiert, was zu einer Fragmentierung der historischen Wahrnehmung führte.
Die Wahrnehmung des Widerstands ist bis heute umstritten. Franz Jägerstätter, ein katholischer Wehrdienstverweigerer, wird in der neueren Zeit als mögliche Identifikationsfigur des Widerstands betrachtet. In Österreich fehlten identifizierbare Heldenfiguren, und die politische Kultur war stark parteipolitisch geprägt. Dies zeigt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist, um die komplexen Zusammenhänge und die individuellen Entscheidungen, die mit großen persönlichen Risiken verbunden waren, zu verstehen.
Die Sonderausstellung „Kampfzone St. Veit“ lädt dazu ein, in die Geschichte einzutauchen und die regionalen Entwicklungen während des Zweiten Weltkriegs zu reflektieren. Sie bietet einen Raum für Erinnerungen und Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit, die für die heutige Gesellschaft von großer Bedeutung sind.