Die Caritas Kärnten schlägt Alarm: Die soziale Krise im Land spitzt sich zu. In einer aktuellen Warnung hebt Caritasdirektor Ernst Sandriesser die drängenden Probleme hervor, die an den Hilfesystemen nagen. Fehlender leistbarer Wohnraum, die anhaltende Teuerung und die komplexen Problemlagen der Betroffenen setzen den Hilfsangeboten stark zu. „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“, so Sandriesser. Der dramatische Anstieg der Hilfesuchenden seit 2024 ist nicht zu übersehen; die Notschlafstelle im Eggerheim hat mittlerweile ihr Limit erreicht.
Doch nicht nur die Anzahl der Hilfesuchenden sorgt für Besorgnis. Die Menschen, die in der Notschlafstelle untergebracht sind, warten oft sechs bis neun Monate auf eine Wohnung. Während die Wohnbeihilfe NEU als positiver Schritt gewertet wird, hilft sie nur jenen, die bereits eine Wohnung haben. Viele, die dringend auf Hilfe angewiesen sind, stehen vor der geschlossenen Tür des Wohnungsmarktes. „Wir benötigen nachhaltige, strukturelle Lösungen und eine faire Finanzierung“, fordert Sandriesser. Die jährlichen Kosten für die Tag- und Nachtversorgung im Eggerheim belaufen sich auf rund 900.000 Euro, während die öffentliche Hand lediglich 440.000 Euro zur Verfügung stellt. Diese Kluft kann nicht durch private Spenden dauerhaft geschlossen werden.
Überlastete Hilfsangebote
Die Situation im Eggerheim, das als Kompetenzzentrum für Wohnungslosenhilfe, Sozialberatung und Mittelverwaltung fungiert, ist alarmierend. Sandriesser äußert Unverständnis über die fehlende Unterstützung in dieser kritischen Lage. „Wir warnen vor schmerzhaften Entscheidungen, wenn die Ressourcen nicht ausreichen“, so der Caritasdirektor. Auch die zunehmende Gewalt gegen obdachlose und armutsgefährdete Menschen sowie die Mitarbeiter*innen ist ein ernstzunehmendes Problem. Angriffe auf obdachlose Menschen und auf das Eggerheim sind dokumentiert und verdeutlichen die Dringlichkeit des Handelns.
Die Herausforderungen sind nicht nur lokal, sondern spiegeln ein größeres Problem wider. In Deutschland beispielsweise waren 2024 etwa 530.000 Menschen wohnungslos, was zeigt, dass die Thematik weitreichend ist. Innovative Ansätze zur Schaffung von Wohnraum werden diskutiert, wie die Veranstaltung der Bundesstiftung Bauakademie zum Thema „Mit der Bauwende gegen Wohnungslosigkeit“. Hier wird der Fokus auf die Sicherung von Wohnraum für bedürftige Menschen gelegt, was auch für Kärnten eine wichtige Thematik darstellt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Caritas Kärnten fordert, dass Gemeinden und das Land ihren Versorgungsauftrag ernst nehmen. Der Gemeinderatsantrag in Klagenfurt zur faireren Kostenverteilung wird zwar begrüßt, jedoch als unzureichend angesehen. Es ist klar, dass die Zeit zum Handeln drängt. Die Konzeptualisierung von neuen Wohnmodellen könnte ein Schlüssel zur Lösung sein. Doch bis dahin bleibt die Caritas Kärnten auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen und den Menschen in Not die Hilfe zukommen zu lassen, die sie dringend benötigen.