Am 8. Juni wird das Konzerthaus in Klagenfurt zum Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses. Im Rahmen des Klagenfurt Festivals wird das Stück „Die letzten Tage der Menschlichkeit?“ aufgeführt. Dieses Werk, das von keinem Geringeren als Karl Kraus stammt, hat es in sich. Es beschäftigt sich mit den düsteren Themen Krieg und Unmenschlichkeit und wurde lange Zeit als nicht aufführbar angesehen. Aber jetzt, nach dem großen Erfolg in Wien am Burgtheater, wird es auch die Kärntner Zuschauer herausfordern und zum Nachdenken anregen. Der Schauspieler Nicholas Ofczarek und der Bariton Georg Nigl stehen auf der Bühne und versprechen, das Publikum auf eine Reise mitzunehmen, die alles andere als gewöhnlich ist.
Kraus, geboren 1874 in Jičín als neuntes Kind eines wohlhabenden Papierfabrikanten, gilt als einer der bedeutendsten Satiriker der österreichischen Literatur. Die Familie war jüdischen Glaubens und zog 1877 nach Wien. Kraus’ Leben war geprägt von Verlusten; beide Eltern starben früh. Er besuchte das Gymnasium Stubenbastei und begann ein Studium, das er jedoch nicht abschloss. Bereits in seinen jungen Jahren begann er, seine Gedanken in Form von Artikeln und Rezensionen zu veröffentlichen. 1897 gelang ihm mit „Die demolirte Litteratur“ ein großer Publikumserfolg.
Ein Werk der Herausforderung
Ofczarek selbst beschreibt die Aufführung als „mehr Einladung als Pflicht“. Das bringt es auf den Punkt! Die Konfrontation mit Kraus’ Texten, untermalt von den musikalischen Klängen von Gustav Mahler und Hanns Eisler, soll die Zuschauer aktiv in den Diskurs einbinden. Ofczarek betont die Wichtigkeit, unterschiedliche Meinungen zu respektieren. Das ist in Zeiten wie diesen, wo digitale Themen und gesellschaftlicher Austausch so relevant sind, wichtiger denn je. Die Unterstützung für Pädagog:innen durch den A1 digital.campus zeigt, dass auch die Bildung einen Platz in diesem Diskurs hat.
Kraus war nicht nur ein scharfer Kritiker seiner Zeit, sondern auch ein Vorkämpfer gegen die Verwahrlosung der deutschen Sprache. Mit seiner Zeitschrift „Die Fackel“, die er 1899 gründete und bis zu seinem Tod 1936 herausgab, setzte er sich für klare und ehrliche Kommunikation ein. Seine Kritik richtete sich gegen Korruption und den fragwürdigen Journalismus seiner Zeit. Und in den turbulenten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurde er mit „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einer moralischen Instanz. Das Stück, das als Dokumentation der Kriegsjahre gilt, thematisiert die Verlogenheit der Gesellschaft und ist mehr als nur ein Theaterstück – es ist ein Aufruf zur Reflexion.
Kraus und die Literatur
Kraus’ Einfluss auf die österreichische Literatur ist bis heute spürbar. Er hatte viele Anhänger, die sich selbst als „Krausianer“ bezeichneten. Seine Lesungen, über 700 an der Zahl, waren legendär und zogen ein treues Publikum an. Auch nach seinem Tod im Jahr 1936 bleibt sein Werk relevant. In den letzten Jahren seines Lebens äußerte er sich kritisch zur politischen Situation in Österreich unter Dollfuß und zur Bedrohung durch den Nationalsozialismus. Das ist ein Erbe, das uns auch heute noch zum Nachdenken anregt.
Mit der Aufführung von „Die letzten Tage der Menschheit?“ wird nicht nur ein literarisches Meisterwerk auf die Bühne gebracht, sondern auch ein Stück Geschichte, das uns herausfordert, uns mit den dunklen Seiten der Menschheit auseinanderzusetzen. So wird das Konzerthaus in Klagenfurt am 8. Juni zu einem Ort des Dialogs und der Reflexion. Und wer weiß, vielleicht ist es gerade die Auseinandersetzung mit diesen Themen, die uns dazu anregt, in der heutigen Zeit über unsere eigene Menschlichkeit nachzudenken.