Zeitreise nach 1485: Santoninos Abenteuer auf der Bühne in Hermagor
Im Herzen von Hermagor wird bald ein ganz besonderes Theaterstück aufgeführt, das die Zuschauer auf eine Zeitreise ins Jahr 1485 mitnehmen wird. Die Theatergruppe Gailtal bringt das Stück basierend auf den Reisetagebüchern von Paolo Santonino auf die Bühne. Dramatisiert von Engelbert Obernosterer und unter der Regie von Werner Wölbitsch, wird das Werk am 13. und 14. August 2026 in der Spitalskirche in Lienz um 20:30 Uhr aufgeführt. Tickets sind bereits online erhältlich und sollten schnell gesichert werden, denn die Vorfreude ist groß!
Paolo Santonino, ein italienischer Jurist des 15. Jahrhunderts, hat mit seinen Aufzeichnungen eine spannende Beschreibung einer Visitationsreise des Bischofs von Caorle hinterlassen. Diese Reise begann am 29. September 1485 in San Daniele und führte die Gruppe über den Plöckenpass, den Santonino als schwer passierbar und unwegsam schildert. Da fragt man sich, wie die Reisenden wohl mit den Herausforderungen umgegangen sind. Mauthen, das Lesachtal, Drautal und Osttirol standen ebenso auf dem Plan wie das Gailtal bis Hermagor und das Gitschtal bis zum malerischen Weißensee. Was für eine beeindruckende Route!
Ein Blick in Santoninos Welt
Santoninos „Itinerarium“ bietet nicht nur einen historischen Einblick, sondern auch eine persönliche Note. Seine Schilderungen sind geprägt von einem ausgeprägten Humor und einer lebendigen Beobachtungsgabe. Er beschreibt nicht nur die Landschaften, die er durchquert, sondern auch die kulinarischen Köstlichkeiten, die ihm begegnen. Man kann sich förmlich vorstellen, wie er bei einem Festessen sitzt und sich die Gaumenfreuden auf der Zunge zergehen lässt – auch die Essensbeschreibungen sind für das Mittelalter von hoher Informationsdichte und zeugen von seiner kulinarischen Kompetenz!
Er war ein Mann mit einem stark christlichen Werteverständnis, der als „kaiserlich befugter öffentlicher Notar und ordnungsgemäß eingesetzter Richter“ einen respektablen Platz in der Gesellschaft einnahm. Sein Leben in Udine war von Bedeutung, nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die Region, die damals zum Patriarchat von Aquileia und zum Erzbistum Salzburg gehörte. Die weltliche Macht teilten sich die Grafen von Görz, Ortenburg und Cilli mit den Habsburgern. Eine interessante Konstellation, die die politischen Verhältnisse jener Zeit widerspiegelt.
Theater als Brücke zur Geschichte
Die Premiere des Stücks im Schloss Möderndorf hat bereits für viel Aufsehen gesorgt und die Neugier auf die weiteren Aufführungen geweckt. Geschichtsinteressierte und Theaterliebhaber dürfen sich auf eine spannende Inszenierung freuen, die die alten Geschichten mit neuem Leben erfüllt. Es ist mehr als nur ein Theaterstück – es ist ein Fenster in eine längst vergangene Zeit, das uns die Herausforderungen und das Leben der Menschen im 15. Jahrhundert näherbringt.
Wenn man sich vorstellt, wie die Reisegruppe durch die unwegsamen Pfade und atemberaubenden Landschaften zog, kann man nur hoffen, dass die Darsteller diese Atmosphäre perfekt einfangen. Mit Santoninos „Itinerarium“ als Grundlage und der Leidenschaft der Theatergruppe Gailtal wird das sicherlich ein unvergessliches Erlebnis!
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