Im Haydn-Saal von Schloss Esterházy in Eisenstadt erlebte das Publikum ein ganz besonderes Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Chefdirigent Kirill Petrenko. Einen Tag vor ihrem Gastspiel im Wiener Musikverein präsentierten die Musiker ein Programm, das sowohl klassisches als auch neoklassisches Repertoire umfasste und damit die Brücke zur Wiener Klassik schlug. Für viele war es ein emotionales Heimspiel, denn Joseph Haydn, der hier wirkte, wurde mit einer Ouvertüre (Hob. 1a/7) gewürdigt, die als bedeutend für die Auseinandersetzung mit dieser Epoche beschrieben wurde.
Die Zuhörer waren von der prägnanten Phrasierung und der ausgefeilten Artikulation der Musiker begeistert. Gautier Capuçon, der als Solist in Tschaikowskys Rokokovariationen brillierte, entführte das Publikum mit seiner verträumten Kadenz in eine andere Welt. Die Aufführung beinhaltete zudem Strawinskys „Pulcinella“-Suite, die barocke Vorlagen neoklassizistisch interpretierte und durch lebendige Darbietungen von Soli und Ballettpassagen bestach. Den krönenden Abschluss bildete Beethovens Zweite Symphonie, die Petrenkos Dramaturgie als bedeutend für die Zeitgenossen darstellte.
Europakonzert: Eine musikalische Verbindung
Das Konzert war Teil des traditionellen Europakonzerts, das seit 1991 jährlich am 1. Mai stattfindet. Es ehrt nicht nur die Gründung der Berliner Philharmoniker, sondern auch die Vielfalt der Länder und Kulturen Europas. In diesem Jahr fand das Konzert in dem historischen Esterházy-Palast statt – einem Ort, der im 18. Jahrhundert als Wohnsitz von Fürst Nikolaus I. diente und gleichzeitig ein Arbeitsort für Haydn war. Diese Rückkehr zur Wiege der Wiener Klassik macht das Konzert zu einem kulturellen Zeichen für Europas humanistische Werte und musikalische Tradition.
Die Berliner Philharmoniker verstehen sich als musikalische Botschafter für ein friedliches Zusammenleben in Europa, und das Europakonzert wird in zahlreiche Länder übertragen, um ein breites Publikum zu erreichen. Millionen Menschen weltweit haben die Möglichkeit, daran teilzuhaben. Für die Zuschauer vor Ort in Eisenstadt war es ein unvergesslicher Abend, der mit dem „Gesang der Vögel“ von Pablo Casals als Zugabe endete und die Herzen der Anwesenden berührte. Das Programm, abgesehen von der Haydn-Ouvertüre, wird am 2. Mai im Wiener Musikverein wiederholt, und eine Aufzeichnung des Konzerts wird bald in der Digital Concert Hall verfügbar sein.
Das Europakonzert ist mehr als nur ein Konzert; es ist eine Feier der Einheit und Vielfalt Europas an einem kulturell und historisch bedeutenden Ort. Der Haydn-Saal wird zum Schauplatz einer musikalischen Reise, die nicht nur die Vergangenheit ehrt, sondern auch die Zukunft der klassischen Musik gestaltet.