WKO in der Krise: Martha Schultz kündigt Reformen und Entlastungen an
In einem angespannten Klima der Unsicherheit und Herausforderungen hat Martha Schultz, die neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), kürzlich vor rund 100 Delegierten in Wien gesprochen. Ihre Botschaft war klar: Die WKO steht vor der größten Krise seit Jahrzehnten. Ausgelöst durch den Rücktritt des Ex-Präsidenten Harald Mahrer und hitzige Debatten über Gehaltserhöhungen, ist die Stimmung angespannt. Besonders die Wahlbeteiligung unter den Kammermitgliedern hat stark nachgelassen – zuletzt lag sie bei nur einem Viertel!
Schultz kündigte eine drastische Senkung der Kammerumlage 2 um 100 Millionen Euro jährlich bis 2030 an, um die Unternehmer zu entlasten. Dies soll eine Ersparnis bei den Lohnnebenkosten für viele Betriebe bedeuten. Doch die Maßnahmen stoßen nicht nur auf Zustimmung. Die Grüne Wirtschaft äußerte Kritik und bezeichnete die Entlastung als unzureichend. Auch wenn die Prognosen für eine Lohnsummensteigerung von 5% bis 2030 optimistisch erscheinen, bleibt abzuwarten, ob dies wirklich realistisch ist.
Reformen im Visier
Ein weiterer Punkt auf der Agenda von Schultz ist der Abbau von etwa 200 Stellen innerhalb der WKO, die zurzeit rund 800 Mitarbeiter beschäftigt. Der Kammerapparat wird als aufgebläht wahrgenommen. Die Präsidentin betonte, dass die Kammer erst am Anfang ihres Reformprozesses stehe und weitere Vorschläge im Herbst zu erwarten sind. Unter anderem soll eine Wahlrechtsreform zur Diskussion stehen, um die Mitglieder wieder stärker einzubinden.
Die Plenarsitzung, die in Wien stattfand, war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Die Präsidenten aller sieben Landeskammern waren zwar anwesend, doch die Abwesenheit des Präsidenten der WKW und des burgenländischen Kammerpräsidenten fiel auf. Es bleibt spannend, wie sich die Zusammenarbeit innerhalb der Kammer künftig gestalten wird.
Die Rolle der älteren Arbeitnehmer
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist die geplante Belastung über 60-jähriger Dienstnehmender, die ab 2028 Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) leisten sollen. Diese Entscheidung könnte für viele ältere Mitarbeiter eine Herausforderung darstellen. Auch wenn die Wirtschaftskammer nach Einsparmöglichkeiten sucht, ist die Frage, wie die Betroffenen die neuen Regelungen verkraften werden.
Die Situation ist komplex. Anträge zur „Entrümpelung“ der Gewerbeordnung und zur Abschaffung der Kammerumlage 2 wurden abgelehnt. Der Rechnungshof hat gerade die Kammerprüfung abgeschlossen, und die Berichte über Rücklagen sowie Personal- und Funktionärsbezüge werden bald veröffentlicht. Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass Ein-Personen-Unternehmen, die mehr als 60% der Mitglieder ausmachen, vorerst keine Entlastungen erhalten.
Inmitten dieser Herausforderungen ist es entscheidend, wie die WKO sich selbst wahrnimmt und welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Reformen ausreichen, um die Mitglieder zu mobilisieren und das Vertrauen in die Kammer zurückzugewinnen. Die Zeit drängt, und die Unternehmer warten gespannt auf die angekündigten Veränderungen.
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