Im Herzen des Währinger Cottage in Wien, genauer gesagt in der Colloredogasse 30, befindet sich die einzigartige Künstlervilla Brauer. Diese Villa, die Ende der 70er-Jahre von dem renommierten Universalkünstler Arik Brauer erworben wurde, ist ein wahres Gesamtkunstwerk. Brauer, ein Holocaust-Überlebender und bekannt als Maler, Musiker, Bühnenbildner und Festredner, hat nicht nur die Wände dieser Villa mit seiner Kunst individualisiert, sondern auch Möbel entworfen und während der NS-Zeit das Tischlerhandwerk erlernt. Hier lebt und atmet die Kunst, und die Besucher sind eingeladen, in diese kreative Welt einzutauchen.

Die Besichtigungen der Villa sind ein Erlebnis für sich. Die Führungen, die von Familienmitgliedern oder engagierten Vermittlerinnen durchgeführt werden, dauern etwa 1 bis 1,5 Stunden und sind auf eine limitierte Anzahl an Besuchern pro Gruppe ausgelegt. Dabei können die Gäste nicht nur das Atelier, den Salon und das Porträtkabinett erkunden, sondern auch die Brauer-Küche, private Kunsträume und die beeindruckende Kunstsammlung bewundern. Ein ganz besonderes Highlight ist der Skulpturengarten, der die Vielfalt und Kreativität Brauers eindrucksvoll widerspiegelt. Um an einer Führung teilnehmen zu können, ist eine Anmeldung über die Website https://www.arikbrauer.at/ erforderlich.

Einblicke in die Geschichte

Arik Brauer ist nicht nur für seine künstlerischen Leistungen bekannt, sondern auch für sein Engagement für Demokratie und Versöhnung. Seine Festrede am 8. Mai 2018 in der Wiener Hofburg zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs bleibt unvergessen und zeugt von seinem tiefen Verständnis für die Verantwortung der Kunst im gesellschaftlichen Kontext. Brauers Arbeit und sein Leben sind ein lebendiges Zeugnis der Resilienz und der Kraft des menschlichen Geistes.

Unweit der Künstlervilla befindet sich das unterirdische Museum Brauer, das 2003 eröffnet wurde und unter der Leitung des Baumeisters Richard Lugner entstand. Auch hier sind Führungen möglich und bieten zusätzliche Einblicke in das künstlerische Erbe Brauers. Seine Tochter, Timna Brauer, hat das Erbe ihres Vaters in dem Buch „Die ARIK BRAUER VILLA – Ein Gesamtkunstwerk“ dokumentiert, welches im Brandstätter Verlag veröffentlicht wurde.

Erinnerungskultur in Wien

In Wien wird das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus großgeschrieben. Ein bedeutendes Projekt ist die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte, die am 9. November 2021 eröffnet wurde. Im Ostarrîchi-Park im 9. Bezirk erinnert diese Gedenkstätte an die rund 65.000 österreichischen Opfer der Shoah. Die oval angeordneten Steintafeln tragen die Namen der ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer und wurden maßgeblich von Kurt Yakov Tutter, einem Holocaust-Überlebenden, initiiert.

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Die Gedenkstätte, die aus rund 160 Steintafeln besteht, hat das Ziel, die Erinnerung an die Gräueltaten des NS-Regimes wachzuhalten. Trotz ihrer wichtigen Aufgabe sieht sich die Gedenkstätte auch Kritik ausgesetzt, unter anderem aufgrund des Fokus auf jüdische Opfer und der Ästhetik des Denkmals. Dennoch bleibt sie ein wesentlicher Bestandteil der Wiener Erinnerungskultur und ein Mahnmal gegen das Vergessen.

In der Künstlervilla Brauer und der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte spiegelt sich die Vielfalt der Wiener Geschichte wider, die geprägt ist von Kunst, Widerstand und der ständigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Beide Orte laden dazu ein, über die Bedeutung von Kunst und Erinnerung nachzudenken und bieten Raum für Reflexion und Versöhnung.