In der österreichischen Fußballszene wird derzeit über den Neubau eines Nationalstadions diskutiert, und die Meinungen darüber könnten unterschiedlicher nicht sein. Der ÖFB wünscht sich eine moderne Multifunktionsarena, während das bestehende Ernst-Happel-Stadion als veraltet betrachtet wird. Josef Pröll, der ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzende, äußerte auf einer Tagung der Sportjournalisten die Notwendigkeit einer neuen Arena, die über den Fußball hinaus gedacht werden sollte. Pröll sieht die Möglichkeit, diese im Wiener Prater zu errichten, wo die Infrastruktur vorteilhaft wäre. Doch die Stadt Wien scheint wenig Interesse an seinem Vorschlag zu zeigen.
Anatol Richter, Leiter des Sportamts Wien, gab zu Protokoll, dass das Happel-Stadion auch weiterhin nutzbar ist und lediglich Instandhaltungsinvestitionen benötigt. Während der Leichtathletik-Verband keine Verwendung mehr für das Stadion hat, bleibt der Fußball die primäre sportliche Nutzung. Die Stadt plant bereits Maßnahmen zur Sanierung und Verbesserung des bestehenden Stadions, inklusive Investitionen in den Gastronomie- und Toilettenbereich, um den Zustand zu optimieren.
Widerstand gegen Veränderungen
Doch nicht alle Stimmen sind für den Neubau. Sportstadtrat Peter Hacker verweist auf Probleme wie Denkmalschutz und Kostenfragen, die in einem laufenden Partizipationsprozess bis Jahresende geklärt werden sollen. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden im ersten Quartal des nächsten Jahres erwartet. Pröll hingegen kritisiert, dass die Verbesserungen am Happel-Stadion nicht ausreichen, um internationales Niveau zu erreichen, und sieht den Denkmalschutz nicht als zentrales Hindernis.
Ein weiteres Hindernis für ein neues Stadion ist die Finanzierung. Pröll hat bereits Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, während Hacker bisher keinen Investor kontaktiert hat. Die Finanzierung stellt somit ein zentrales Thema dar, wenn es um die Realisierung eines neuen Nationalstadions geht. Sollte es in Wien keine Fortschritte geben, erwägt Pröll, das Projekt nach Niederösterreich zu verlagern.
Finanzielle Lage des ÖFB
Die finanzielle Situation des ÖFB gibt jedoch keinen Anlass zur Sorge. Pröll betont, dass der Verband finanziell abgesichert ist, auch wenn die Einnahmen durch die WM ernüchternd ausfallen, da die Ausgaben höher sind als bei der Europameisterschaft. Außerdem wurde der ÖFB-Campus in Aspern im Oktober 2025 eröffnet und kostete rund 75 Millionen Euro, wobei zwei Drittel von der Stadt Wien und der Rest vom ÖFB finanziert wurde. Der Campus wird bereits von einigen Bundesliga-Klubs für Trainingslager genutzt, und auch Vereine aus der zweiten englischen Liga haben Interesse angemeldet.
Ein Blick über die Grenzen
Ein weiteres Beispiel für den Bau einer Multifunktionsarena findet sich in Frankfurt, wo die Stadt bereits die Ausschreibung für die Projektsteuerung einer neuen Arena gestartet hat. Diese soll nicht nur für Fußball, sondern auch für Konzerte, Eishockey und Basketball genutzt werden. Die Bauvergabe soll bis spätestens Anfang 2027 erfolgen, und die Eröffnung ist für 2030 geplant. Solche Entwicklungen werfen die Frage auf, ob Österreich ähnliche Fortschritte machen kann, oder ob die Diskussionen um das Happel-Stadion weiterhin im Sand verlaufen.
Es bleibt spannend abzuwarten, wie sich die Pläne rund um das neue Nationalstadion entwickeln werden und ob die Verantwortlichen in Wien bereit sind, sich den Herausforderungen zu stellen. Eines ist jedoch sicher: Der österreichische Fußball braucht eine zukunftsorientierte Lösung, die sowohl den Spielern als auch den Fans gerecht wird.