Die Wiener Kunstszene steht momentan am Rande einer tiefen finanziellen Klippe. Ein drohender Schnitt von 353,7 Millionen Euro auf 308 Millionen Euro bis 2027 – das sind schlappe 45,7 Millionen Euro oder 13 Prozent weniger. Die Inflation von 3,4 Prozent hat noch zusätzlich die Taschen der Kulturschaffenden leerer gemacht. Es ist ein echtes Drama, das sich hier abspielt. Und während die Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler mit aller Kraft gegen diese Kürzungen ankämpft, gibt es in der Szene gleichzeitig einen Aufschrei der Verzweiflung.
„Macht weniger! Denn dann kommt Ihr mit dem Geld aus“, hat Kaup-Hasler gefordert, was nicht gerade auf ungeteilte Zustimmung gestoßen ist. Die Sozialdemokraten betonen zwar, dass keine Spielstätten schließen müssen – ganz anders als in Deutschland -, doch die Realität sieht für viele Theater düster aus. Das Theater Drachengasse hatte im April keine Produktionen und im Mai nur eine einzige. Das Theater am Werk in Meidling war für vier Monate geschlossen und hat nur sporadische Veranstaltungen. Da hilft es wenig, dass das Kosmos Theater im April mit einer Uraufführung auftrumpfen konnte, denn im Juni stehen nur vier Vorstellungen auf dem Programm. Die Rettung des Monats Mai kam von Sara Ostertag, die mit zehn Vorstellungen im Kosmos Theater das Ruder rumreißen konnte.
Der Kampf um die Kultur
Die Diskussionen um Fusionen von Theatern und mögliche Schließungen der Bühnen sind in vollem Gange. Eine kritische Stimme meldet sich auch in Bezug auf die Auswahl der Jury für die Leitung des Schauspielhauses. Bedenken über die Unabhängigkeit und Transparenz des Auswahlprozesses werden laut, besonders da die Jury aus vier Personen besteht, die enge Verbindungen zur Stadträtin haben. Ein Teufelskreis, der die Frage aufwirft: Wer entscheidet hier wirklich?
Und dann gibt es noch die Sorgen um die Infrastrukturkosten der Theater, die oft höher sind als die Kosten für die Inszenierungen selbst. Der Druck auf die Kultur wird immer größer – und das, obwohl die Interessenvertretungen bereits seit November vor einem „Austrocknen“ der Kultur warnen. Es wird immer deutlicher, dass Sparmaßnahmen nicht auf Kosten der freien Kunst, Kultur und sozialen Sicherheit gehen dürfen. Ein gewisses Aufatmen stellt sich ein, denn der Druck auf die Budgetkürzungen scheint vorerst gebannt zu sein. Ein Grund für die Stabilität des Budgets könnte der Wegfall von einmaligen Projektkosten sein, wie etwa die 9,5 Millionen Euro für das Strauß-Jubiläumsjahr 2023, die 2026 nicht mehr anfallen werden.
Ein Blick in die Zukunft
Mit all diesen Herausforderungen im Hinterkopf, plant Wien bereits das Kulturbudget für 2026. Kaup-Hasler hat die Pläne am Mittwoch vorgestellt, und die Hoffnung auf positive Entwicklungen bleibt bestehen. Allerdings müssen die Kulturschaffenden weiter um ihre Existenz kämpfen. Die Eröffnung des neuen Zentrums für Kinderkultur in Floridsdorf steht zwar 2028 auf der Agenda, doch bis dahin ist es ein steiniger Weg. Die Gespräche über die Zukunft der Wiener Theaterlandschaft sind in vollem Gange. Ob es eine Lösung geben wird, die die künstlerische Freiheit wahrt und gleichzeitig den finanziellen Anforderungen gerecht wird, bleibt abzuwarten. Die Zeit wird zeigen, wie sich die Lage entwickeln wird.