Am Gelände des heutigen Kabelwerks in Meidling wurde kürzlich eine neue Gedenktafel enthüllt. Ein bedeutender Moment, der die Erinnerung an die Menschen ehrt, die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten. Die Kulturstadträtin von Wien, Veronica Kaup-Hasler, und der Bezirksvorsteher von Meidling, Wilfried Zankl, waren dabei, um dieses sichtbare Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Es geht darum, das Leid der Opfer in den Fokus zu rücken und eine lebendige Erinnerungskultur zu fördern. Kaup-Hasler betonte, wie wichtig es ist, dass wir nicht nur die Geschichte erzählen, sondern auch die Geschichten der Einzelnen sichtbar machen.
Zwischen 1942 und 1945 war Wien Schauplatz zahlreicher Lager für Zwangsarbeiter. Am Standort des Kabelwerks lebten ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter, eine dunkle Episode, die im Volksgerichtsakt gegen den NS-Funktionär Dr. Siegfried Seidl dokumentiert ist. Eine Liste aus dem Jahr 1946, die von einem jüdischen Arzt als Zeuge vorgelegt wurde, gibt uns einen Einblick in die schrecklichen Bedingungen, unter denen diese Menschen lebten. Für die Adresse Oswaldgasse 33 wurde ein Lager der Kabel- und Drahtwerke AG aufgeführt, in dem 50 Menschen untergebracht waren – darunter neun Männer, 34 Frauen und sieben Kinder. Erschreckend, dass von diesen 50 Personen 40 als „arbeitsfähig“ galten.
Eine Verantwortung, die bleibt
Bei der Enthüllung der Gedenktafel appellierte Zankl an die individuellen Schicksale der Zwangsarbeiter. Es ist nicht nur eine Frage der Vergangenheit, sondern auch der Verantwortung der Gegenwart. Die Geschichten dieser Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten, sind Teil unserer Geschichte. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Erinnerungen nicht in Vergessenheit geraten.
Ein weiteres Zeichen der Erinnerung wird am 18. März 2026 in Leobersdorf gesetzt. In der Evangelischen Kirche wird eine Veranstaltung stattfinden, die sich mit dem verlorenen jüdischen Leben in Österreich auseinandersetzt. Mag. Eva Ullreich wird darüber referieren, wie die Vergangenheit der Großeltern mit der heutigen Verantwortung verknüpft ist. Es wird ein Dialog zwischen persönlichen Erlebnissen und historischen Fakten angestoßen, eine Möglichkeit, das Schweigen zu brechen und die Geschichten der lokalen jüdischen Familien wie Kohn, Graf, Lipschitz und Wiebauer zu thematisieren. Die musikalische Begleitung von Peter Natterer am Saxophon und Nikola Stanošević am Klavier wird das Ganze abrunden.
Diese Veranstaltungen sind nicht nur wichtig, sie sind nötig. Sie helfen uns, einen Zugang zu einer schmerzhaften Vergangenheit zu finden und zu verstehen, warum es so entscheidend ist, sichtbar zu erinnern. Die Gedenktafel am Kabelwerk ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es braucht noch viel mehr, um die Stimmen der Verfolgten zu hören und die Erinnerung lebendig zu halten.