Im Herzen von Landstraße, wo der Puls der Stadt unermüdlich schlägt, steht ein stark verfallenes, denkmalgeschütztes Gebäude, das in den letzten Jahren in den Schatten des neu sanierten Bahnhofs Wien-Mitte geraten ist. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist der Eigentümer dieses historischen Bauwerks, während die Baurechte bei der „Centrope Club Errichtungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H“ liegen, einem Teil der Haring-Group. Hier hat sich seit der Vergabe des Baurechts im Jahr 2015 bis 2112 nicht viel getan. Ein echtes Dilemma, denn das Gebäude kann von der laufenden Sanierung nicht profitieren. Die geplante Nutzung sieht ein Hotel und ein Café vor. Aber wie so oft, warten die leidenschaftlichen Träumer auf den großen Moment, wann es endlich losgeht.
Aktuell läuft das Baubewilligungsverfahren in vollem Gange. Die Baupolizei, konkret die MA 37, ist am Werk und wird bis zum Herbst 2025 die Kontrolle übernehmen. Ein Bauauftrag soll dann im Januar 2026 erteilt werden, um endlich mit der Instandsetzung von Fenstern, Fassade, Abgasanlagen und Feuermauer zu beginnen. Interessanterweise sind die Umgebung des Gebäudes und die geplanten Neubauten, die das alte Verwaltungsgebäude flankieren sollen, nicht unter Denkmalschutz, was dem Projekt eine gewisse Freiheit in der Gestaltung verleiht. Das Architekturbüro BMW Architects, erfahren und versiert im Umgang mit Hotelbauten und Denkmalschutz, hat die Planung übernommen.
Ein Blick ins Planarchiv
Wer sich für die liebevollen Details rund um den Bau interessiert, findet im Planarchiv der Stadt Wien eine wahre Schatzkiste. Mit knapp 200.000 bewilligten Bauplänen gibt es hier eine Menge zu entdecken. Inhaber und Hausverwaltungen dürfen Einsicht nehmen, allerdings haben Anrainerinnen keinen Zugang zu den Plänen ihrer Nachbarn. Das klingt irgendwie nach einem kleinen Geheimnis, oder? Mieterinnen müssen sich sogar eine Vollmacht des Eigentümers besorgen, um einen Blick in die Baupläne werfen zu können. Und das ist noch nicht alles: Die Einsichtnahme erfordert eine Terminvereinbarung, die online möglich ist. Man sollte sich eine halbe Stunde Zeit nehmen – und nur eine Adresse pro Termin ins Auge fassen.
Ein Lichtbildausweis und ein nicht älterer Grundbuchauszug sind Voraussetzung, um den Blick ins Archiv zu werfen. Wenn das alles erledigt ist, bekommt man eine Bestätigung per E-Mail. Übrigens, die Kosten liegen bei 15 Euro für die Einsicht und 5 Euro für Schwarzweiß-Kopien – das darf man nicht vergessen! Kopieren kann man nur vor Ort, und eine E-Mail-Übermittlung der Pläne gibt’s nicht. Fast schon wie ein gutes altehrwürdiges Geheimnis, das bewahrt werden will.
Die Verantwortung der Eigentümer
In Wien, wo die Zinshäuser das Stadtbild prägen, sind die Eigentümer gefordert. Sie müssen sich nicht nur um die Instandhaltung ihrer Altbauten kümmern, sondern auch um die rechtlichen Vorgaben, die in den letzten Jahren verschärft wurden. Schließlich ist das äußere Erscheinungsbild dieser Juwelen in Schutzzonen von großer Bedeutung. Wer die Verantwortung für ein solches Gebäude übernimmt, muss damit rechnen, dass die Stadt Wien im Falle der Vernachlässigung eingreift. Es ist eine ernsthafte Sache, denn ab Ende 2024 drohen einige desolate Gebäude in die Zwangsverwaltung zu geraten.
Und das Thema Denkmalschutz? Das unterliegt den strengen Auflagen des Bundesdenkmalamts. Sanierungen müssen behördlich genehmigt werden, und Informationen über denkmalgeschützte Gebäude sind im Grundbuch einsehbar. Das Ganze kann schnell ganz schön kompliziert werden, wenn man nicht gut informiert ist. Doch die Stadt Wien und der Bund bieten Förderprogramme an, die den Eigentümern finanziell unter die Arme greifen können. Ein bisschen Unterstützung kann nicht schaden, gerade wenn man sich mit einem historischen Gebäude beschäftigt, das einen Teil der Stadtgeschichte erzählt.
Die Vorfreude auf das, was kommen wird, ist spürbar. Ein Hotel und ein Café in einem denkmalgeschützten Gebäude – das klingt nach einem perfekten Ort, um die Seele baumeln zu lassen und die Geschichte Wiens zu erleben. Aber bis es soweit ist, müssen wir uns mit dem Warten abfinden und den Fortschritt im Auge behalten.