In der Welt der Kunst ist es nicht nur die Leinwand, die Geschichten erzählt, sondern auch die Unternehmen, die diese Werke erwerben. Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien hat sich in den letzten Jahren intensiv mit ihrer Kunstsammlung beschäftigt, um einen Dialog über Themen wie Landschaft und Natur zu fördern. Carl Aigner, der seit 2023 für die Aufarbeitung der Sammlung zuständig ist, hat sich auf die spannende Aufgabe gemacht, die Geschichten hinter den Gemälden zu enthüllen. Dabei entdeckt er nicht nur die Werke internationaler Künstler wie Louis Auguste Anguin und George Sheridan Knowles, sondern auch die historischen Zusammenhänge, die diese Kunstwerke mit sich bringen.

Eine besondere Geschichte rankt sich um die „Spanische Tänzerin“ von Josef Engelhart. Der Erwerb dieses Werkes stand in Verbindung mit einem Immobiliendeal, der Raiffeisen in den Besitz eines großen Werkblocks des Malers brachte. Engelhart, Mitbegründer der Wiener Secession, hatte eine bewegte Biografie, die mit seiner Heirat von Doris Mautner-Markhof im Jahr 1895 begann – eine Verbindung, die von Widerständen geprägt war. Das Areal, das Engelharts Atelier und die Villa der Mautner-Markhofs umfasst, ist heute Teil der Raiffeisen-Holding.

Kunst im Wandel der Zeit

Die Kunstsammlung selbst ist ein Produkt der Nachkriegszeit. Seit den 1950er Jahren hat Raiffeisen hunderte Werke namhafter Künstler erworben – darunter auch frühe Arbeiten von Egon Schiele und Pablo Picasso. Ein beeindruckender Sammlungsblock von Josef Engelhart ist ebenso Teil der Sammlung wie Beiträge von Künstlern wie Markus Prachensky und Christian Ludwig Attersee. Der Frauenanteil in der Sammlung mag zwar bei etwa 15% liegen, doch die Geschichten dieser Künstlerinnen – wie die von Kitty Goldmann, die nach Chile emigrierte und als Werbegrafikerin arbeitete – sind von großer Bedeutung und zeigen eine facettenreiche Sicht auf die Kunstgeschichte.

Die Initiative zur Professionalisierung der Sammlung, angeführt von Obmann Erwin Hameseder und Generaldirektor Michael Höllerer, zielt darauf ab, die Sammlung strukturiert weiterzuentwickeln. Hierbei wird nicht nur auf die Vergangenheit geschaut, sondern auch ein neues Sammlungsprofil entwickelt, das heimische Kunst aus Wien und Niederösterreich in den Fokus rückt. Performative Kunst und Aktionismus sollen künftig eine größere Rolle spielen, um gesellschaftliche Themen wie Identität, Digitalisierung und Ökologie anzusprechen.

Ein Blick in die Zukunft

Doch die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Aigner hat bisher keine bekannten Fälle von Raubkunst in der Sammlung festgestellt, was durchaus positiv zu bewerten ist. Ein Bild von Rudolf Böttger aus dem Jahr 1930, das Mäher auf einem Kornfeld zeigt, könnte jedoch in eine andere Richtung weisen, da es von einem späteren NS-Kulturfunktionär stammt. Die Sammlung wird bis zum 27. September der Öffentlichkeit präsentiert, um Diskussionen anzuregen und die Kunst lebendig werden zu lassen.

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Der Arbeitskreis Corporate Collecting (ACC), gegründet 2010, bietet Unternehmen wie Raiffeisen eine Plattform, um sich über Kunstsammlungen auszutauschen. Die Mitglieder des ACC, darunter namhafte Unternehmen, sehen Kunst als wichtigen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur. Sie unterstützen sich gegenseitig bei der Positionierung ihrer Sammlungen in der Öffentlichkeit und bieten Beratung in rechtlichen und steuerlichen Belangen. Solche Netzwerke sind essenziell, um den Austausch und die Vernetzung von Kunst und Wirtschaft zu fördern.

Insgesamt zeigt die Raiffeisen-Holding, dass Kunst nicht nur ein schmückendes Beiwerk ist, sondern ein Mittel, um neue Perspektiven zu eröffnen, Gespräche zu initiieren und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die Sammlung wird nicht nur als historisches Erbe betrachtet, sondern als lebendiger Bestandteil einer dynamischen Unternehmensidentität.

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