Heute ist der 1.03.2026. Am 28. Februar 2026 feierte das Stück „Isidor – Ein jüdisches Leben“ im renommierten Wiener Burgtheater Premiere. Unter der Regie von Philipp Stölzl, der zusammen mit Franziska Harm für das Bühnenbild verantwortlich zeichnete, und Barbara Drosihn, die für die Kostüme sorgte, wird die bewegende Geschichte von Isidor Geller auf die Bühne gebracht. Isidor, ein jüdischer Millionär aus Wien, lebte in einer Zeit, die von Aufstieg und tragischen Wendungen geprägt war. Im Stück wird seine Lebensgeschichte von Lilith Hässle und Itay Tiran als Erzählerduo präsentiert, während Stefko Hanushevsky die Titelrolle spielt.

Isidor Geller, aufgewachsen in einer streng gläubigen jüdischen Familie, assimilierte sich später in Wien und wurde während des Ersten Weltkriegs zu Wohlstand gelangt, indem er das Motto „Aufstieg durch Anstrengung“ predigte. Doch das Stück thematisiert auch den modernen Antisemitismus, den Isidor selbst nicht wahrnimmt. Die Inszenierung ist opulent gestaltet und bietet ein eindrucksvolles Bühnenbild mit einem Kronleuchter sowie wechselnden Szenen. Musikalisch wird das Geschehen von Itay Tiran am Klavier untermalt, was verschiedene Klangstile einbringt. Das Ensemble umfasst unter anderem Nina Siewert als Ilona sowie Alexandra Henkel und Markus Hering in weiteren Rollen. Die Aufführung hat eine Dauer von drei Stunden und beinhaltet eine Pause.

Die Erzählung von Shelly Kupferberg

Die Geschichte von Isidor Geller wird nicht nur im Burgtheater thematisiert, sondern auch von Shelly Kupferberg erzählt, die in ihrem Debüt die Lebensgeschichte ihres Urgroßonkels aufgreift. Isidor stammt ursprünglich aus einem jüdisch-orthodoxen, armen galizischen Dorf und entwickelte sich in Wien in den 1920er- und 30er-Jahren zu einem Kommerzialrat. Als Dandy und Lebemann war er leidenschaftlicher Opern- und Kunstliebhaber. Kupferberg entfaltet die Erzählung episodisch durch alte Fotos und Briefe, die sie auf dem Dachboden ihres Großvaters fand.

Die Inszenierung im Akademietheater, die ursprünglich als Sachbuch konzipiert war, ist minimalistisch und legt den Fokus stark auf Lichtregie und Sprache. Neun Schauspieler übernehmen über dreißig Rollen, was zeigt, dass Prosatexte nur bedingt für die Bühne geeignet sind. Lilith Hässle und Itay Tiran agieren als teils allwissende Erzähler und wechseln zwischen den Charakteren. Besonders betont wird die Beziehung zwischen Isidor und der ungarischen Sängerin Ilona Hajmássy, die von Nina Siewert verkörpert wird. Der erste Teil des Stücks zeigt Isidors Aufstieg, während der zweite Teil die tragischen Entwicklungen mit der nationalsozialistischen Machtübernahme behandelt. Isidor bleibt in Wien, während andere Familienmitglieder nach Palästina fliehen.

Kontexte und gesellschaftliche Relevanz

Die Inszenierungen rund um Isidor Geller zeigen nicht nur die persönliche Tragödie eines Einzelnen, sondern reflektieren auch die gesellschaftlichen Umstände und den Antisemitismus der Zeit. Die kritische Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte von Isidors Geschwistern und anderen jüdischen Lebensrealitäten in Wien wird oft vernachlässigt, was das Publikum dazu anregt, über die kollektive Erinnerung nachzudenken. Der Kontrast zwischen dem gesellschaftlichen Glanz und der brutalen Entmenschlichung, die Isidor durchlebt, bildet den Höhepunkt der Inszenierung und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Für weitere Informationen zu dieser bewegenden Inszenierung und den Hintergründen lohnt sich ein Blick in die ausführlichen Berichte auf nachtkritik.de und die Presse.