Ein Fiakerunfall in der Wiener Innenstadt hat am Freitag für Aufregung und Besorgnis gesorgt. Gegen 16:45 Uhr war eine Kutsche, gezogen von zwei Pferden, auf der Stallburggasse unterwegs in Richtung Habsburggasse. An Bord waren der 53-jährige Fahrer und vier Fahrgäste. Plötzlich, beim Abbiegen, scheuten die Pferde und galoppierten los. Ein unkontrollierbares Gespann, das in einer Stadt mit so viel Leben und Trubel unterwegs ist, birgt immer Risiken.
Die Kutsche stieß seitlich gegen ein Gerüst und kippte um. Der Fahrer wurde aus der Kutsche geschleudert und, tragischerweise, überrollt. Währenddessen blieben die Fahrgäste in der Kutsche – ein Schockmoment, den man sich nur schwer vorstellen kann. Es war das Chaos pur! Die Pferde rannten weiter, und eines der Tiere prallte gegen ein Stück Betonleitwand und stürzte. Glücklicherweise hielt das Gespann irgendwann an. Der Fahrer sowie zwei der Fahrgäste erlitten leichte Verletzungen und wurden umgehend von der Berufsrettung Wien erstversorgt. Die beiden Pferde trugen leider auch Verletzungen davon, deren Schwere noch unklar ist.
Die Schattenseite der Fiaker-Tradition
Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, die mit dem traditionellen Fiakerwesen in Wien verbunden sind. Die Fiakerfahrten sind für viele Touristen und Einheimische ein beliebtes Erlebnis. Allerdings gibt es immer wieder Berichte über Tierleid und unsichere Bedingungen. Ein tragischer Vorfall in Simmering, bei dem ein Fiakerpferd zusammenbrach und eingeschläfert werden musste, hat die Debatte erneut entfacht. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) kritisiert die Fiakerkutschen heftig und macht auf die Gefahren aufmerksam, insbesondere bei hohen Temperaturen.
Das Veterinäramt hat bereits Erhebungen zu den Umständen des Vorfalls eingeleitet. Die MA 60 (Veterinäramt) prüft, ob das betroffene Pferd für den Dienst geeignet war. Es gibt zwar keine Altersgrenze für Fiakertiere, jedoch sollten regelmäßige tierärztliche Begutachtungen und stichprobenartige Kontrollen durch das Veterinäramt durchgeführt werden. Kutscher sind für das Wohlergehen ihrer Tiere verantwortlich, und bei Missständen können sie angezeigt werden. Das wirft Fragen auf: Wie sicher sind die Fiaker wirklich?
Ein Aufruf zur Verantwortung
VGT-Obperson-Stellvertreter Georg Prinz hebt hervor, dass die Stadt Wien ungeeignet für Pferde sei und fordert ein Ende der Fiaker. Er kritisiert, dass das betroffene Pferd, immerhin 30 Jahre alt, nicht mehr im Dienst hätte stehen dürfen. Hier wird von einem möglichen „Behördenversagen“ gesprochen – ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Sieht man sich die Bedingungen an, unter denen die Fiakerpferde arbeiten müssen, kann man nur hoffen, dass die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse ziehen und das Tierwohl nicht aus den Augen verlieren.
Es ist an der Zeit, die Fiaker-Tradition zu überdenken und sicherzustellen, dass sowohl die Menschen als auch die Tiere in dieser schönen Stadt sicher und gesund bleiben. Denn Wien ist nicht nur eine Stadt voller Geschichte und Charme, sondern auch ein Ort, an dem wir Verantwortung für unsere tierischen Begleiter übernehmen müssen.