In Gersthof, einem malerischen Stadtteil von Währing, sorgt ein Fuchs für Aufregung unter den Anwohnern. In einem verwilderten Garten eines Mehrparteienhauses hat sich der Fuchs mit seinem Nachwuchs niedergelassen, was zu einer ungewöhnlichen Nachbarschaft führt. Diese tierischen Mitbewohner besuchen auch die benachbarten gepflegten Gärten und scheinen sich immer mehr an das städtische Leben anzupassen. Doch nicht alle sind begeistert von diesem pelzigen Nachbarn. Der Fuchs hat bereits den Kater eines Nachbarn, Rocky, zweimal attackiert und verletzt, was Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Haustieren und möglicherweise auch von Kindern aufwirft.
Ein fremder Schuh, der im verwilderten Garten gefunden wurde, lässt darauf schließen, dass der Fuchs aktiv auf Futtersuche ist. Es ist bekannt, dass Füchse in urbanen Umgebungen besonders geschickte Überlebenskünstler sind und sich durch unbewusste Fütterung, wie etwa offene Komposthaufen oder freigelassenes Katzenfutter, an Menschen gewöhnen. Trotz der Häufigkeit von Füchsen in Wien, die als sogenannte „Kulturfolger“ gelten, gibt es von offizieller Seite Entwarnung: Florian Hutz von der MA49 betont, dass von der Anwesenheit einzelner Füchse in der Regel keine erhebliche Gefahr für die Gesundheit oder Sicherheit ausgeht.
Eine neue Nachbarschaft
Füchse haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend an urbane Lebensräume angepasst. In Wien finden sie in den Grüngebieten und im innerstädtischen Raum genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Sichtungen von Füchsen sind im städtischen Umfeld keine Seltenheit, und in vielen Fällen sind die Tiere von Natur aus scheu und greifen Menschen nicht an. Das Wildtierservice der Stadt Wien empfiehlt, den Füchsen keine Nahrung anzubieten und offene Futterquellen zu vermeiden, um ihre Scheu zu bewahren.
Besonders im Frühling, wenn die Jungtiere geboren werden, können Füchse auffälliger werden. Ein Jungtier, das im besagten Garten zurückgelassen wurde, sorgte für nächtliches Geheul, bis es schließlich zu seiner Familie zurückkehren konnte. Es ist wichtig, dass Menschen in solchen Situationen nicht eingreifen, da der menschliche Geruch dazu führen kann, dass Elterntiere ihre Jungen verstoßen.
Rechtliche Aspekte und Empfehlungen
Rechtlich betrachtet gilt der Fuchs als „herrenloses Gut“, was bedeutet, dass die Vergrämung in der Verantwortung des Grundeigentümers liegt. Es ist nicht erlaubt, einen Fuchs zu fangen oder zu töten, es sei denn, man ist ein jagdausübungsberechtigter Grundeigentümer. Die Eigentümer des Hauses in Gersthof wurden bereits über die Situation informiert, jedoch gab es bisher keine Kontaktaufnahme mit den Nachbarn. Das Wildtierservice steht bereit, um die Lage vor Ort zu prüfen und Vergrämungsmaßnahmen vorzuschlagen.
Um die Füchse davon abzuhalten, sich in der Nähe von Wohngebieten aufzuhalten, wird empfohlen, Nahrungsquellen zu entziehen und gegebenenfalls Ultraschallvertreibungsgeräte zu verwenden. In Notsituationen kann das Wildtierservice Wien unter der Telefonnummer 01 4000 49090 kontaktiert werden, um Unterstützung zu erhalten.
Der Fuchs als Stadtbewohner
Füchse sind nicht nur in Wien anzutreffen; auch in anderen Großstädten wie Berlin zeigen sie weniger Scheu vor Menschen. Diese cleveren Tiere sind Allesfresser und finden in städtischen Gebieten reichlich Nahrung, oft in Form von Abfällen von Imbissbuden. Stadtfüchse haben sich genetisch von ihren ländlichen Verwandten auseinanderentwickelt und leben häufig in Familienverbänden, während Landfüchse meist als Einzelgänger oder Paare unterwegs sind.
Die Anpassungsfähigkeit der Füchse ist bemerkenswert. Sie nutzen oft bestehende Höhlen von Dachsen oder Kaninchen, um sich ein Zuhause zu schaffen. Die städtischen Füchse haben ein kleineres Revier, meist unter 50 Hektar, während ihre ländlichen Artgenossen Reviere von 200 bis 700 Hektar bewohnen. Trotz ihrer Fähigkeit, in der Nähe von Menschen zu leben, bleibt es wichtig, diese Wildtiere mit Respekt zu behandeln und ihnen ihren Raum zu lassen.
Insgesamt zeigt die Situation in Gersthof, wie das Zusammenleben von Mensch und Tier in urbanen Räumen gelingt, jedoch auch Herausforderungen mit sich bringt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nachbarschaft weiter entwickeln wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um ein harmonisches Miteinander zu schaffen.