In einem kleinen Raum in Marpod, Rumänien, hat Moise, ein ehemaliges Straßenkind aus Bukarest, eine Botschaft, die uns alle angeht: Wir müssen auf die Schwachen achten! Und das ist nicht nur ein leeres Geschwätz. Moise spricht im Rahmen einer Messe, die von einem anderen rumänischen Straßenkind geleitet wird. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Erfahrungen geteilt werden und diese Kinder einander unterstützen. In Floridsdorf, einem Stadtteil von Wien, ist Ignatius Sutel, selbst ein ehemaliges Straßenkind, aktiv. Seit zwei Jahren wirkt er dort als Priester und hat viel zu erzählen.
Ignatius hat eine beeindruckende Reise hinter sich. 2015 wurde er zum Priester geweiht und hat seine Ausbildung im Stift Klosterneuburg sowie an der Hochschule in Heiligenkreuz genossen. Täglich ist er für die Menschen da, macht Hausbesuche und bietet Hilfe an. Die Seelsorge ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Dabei wird er von Georg Sporschill, einem Jesuitenpater, unterstützt, der in den 1980er-Jahren die Obdachlosenhilfe „Canisibus“ ins Leben rief und über drei Jahrzehnte hinweg Kinder aus den Straßen Bukarests rettete.
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Das Sozialprojekt Elijah, an dem Moise und Ignatius beteiligt sind, hat seit 2012 viel bewegt. Es kümmert sich um vergessene Roma-Kinder in Siebenbürgen. Rund 1.000 Menschen – von Babys über Kinder bis hin zu Frauen und Studierenden – stehen unter der Obhut dieses Projekts. Die positive Entwicklung in der Roma-Siedlung Tichendeal ist bemerkenswert. Vassili, ein junger Bursche, dient dort als Vorbild für andere Kinder. Und Maria-Minodora, die früher selbst betreut wurde, ist mittlerweile Pädagogin und Musiklehrerin. Daniel hat seinen Weg als Musiklehrer gefunden, und das ist nicht nur für ihn, sondern auch für die Gemeinschaft ein Grund zur Freude.
Solche Geschichten sind wichtig, gerade in einer Zeit, in der Elijah zwei Millionen Euro benötigt, um die laufenden Kosten zu decken. Die Spendenbereitschaft hat leider abgenommen, während die Herausforderungen, wie Alkoholismus und Gewalt gegen Frauen und Kinder, in der Region weit verbreitet sind. Das Stift Klosterneuburg hat bereits 890.000 Euro für die Projekte von Elijah gespendet. Und über 6,2 Millionen Euro flossen in das ursprüngliche Projekt Concordia, das Moise und Ignatius unterstützte. Die emotionale Bereicherung, die das Team um Sporschill durch die Betreuung der Menschen erfährt, ist unbezahlbar.
Ein europäisches Problem
Doch die Herausforderungen halten nicht an der Grenze zu Österreich oder Rumänien inne. In Europa gibt es mehr als 1,2 Millionen obdachlose Menschen, so die NGO FEANTSA. In Deutschland sind über 450.000 Menschen ohne ein sicheres Zuhause. Oft sind es Kündigungen, Schulden oder soziale Konflikte, die Menschen in die Obdachlosigkeit treiben. Geflüchtete sind besonders betroffen – allein 2023 waren 130.000 wohnungslose Menschen aus der Ukraine zu verzeichnen. Die Dunkelziffer ist dabei oft viel höher, denn viele werden nicht erfasst.
Die Politik hat das Ziel, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Das Europäische Parlament unterstützt dies durch Fördermaßnahmen und den Ausbau bezahlbaren Wohnraums. Doch die Realität sieht oft anders aus. Ein Teufelskreis zwischen Arbeit und Wohnen erschwert vielen den Zugang zu einem eigenen Zuhause. Martin Kositza von FEANTSA Deutschland betont daher, dass es notwendig ist, Angebote zu schaffen, die an den Fähigkeiten der Betroffenen anknüpfen, um Wohnungslosigkeit präventiv zu begegnen.
Es bleibt zu hoffen, dass Initiativen wie Elijah und die Unterstützung durch engagierte Einzelne – wie Ignatius und Moise – einen Unterschied machen können. Denn der Mensch ist mehr als nur seine Umstände. Und manchmal ist es nur ein kleiner Lichtblick, der den Weg in eine bessere Zukunft erhellt.