Sichere Schulwege oder Spielball im Verkehr? Eltern und Lehrer schlagen Alarm in Favoriten
Heute ist der 26.06.2026 und in Favoriten weht ein kühler Wind, der nicht nur die Blätter der Bäume, sondern auch die Sorgen von Eltern und Lehrern aufwirbelt. Die Schulwegsicherung wird an sechs Standorten im Herbst eingestellt, und das sorgt für große Aufregung. Die betroffenen Standorte sind kein Zufall, sondern Orte, an denen man sich als Fußgänger oft wie ein Spielball zwischen laufenden Autos fühlt. Neilreichgasse/Migerkastraße, Laimäckergasse/Quellenstraße und die Absberggasse/Puchsbaumgasse – hier soll künftig auf polizeiliche Präsenz verzichtet werden.
Die Polizei spricht von einer „Optimierung“, als ob es sich um eine neue App handeln würde. Doch die Stimmen der Betroffenen sind laut und klar: Eltern und Lehrer sind besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder. Es gibt Berichte über brenzlige Situationen, in denen Kinder beinahe von Fahrzeugen erfasst wurden. Vor allem auf der Per-Albin-Hansson-Straße wird die Lage als gefährlich beschrieben. Autofahrer halten oft nicht vor Zebrastreifen, was zu gefährlichen Momenten führt. Und das ist nicht nur eine theoretische Überlegung; es sind die alltäglichen Erlebnisse, die Eltern in ihren Briefen an das Verkehrsamt schildern.
Ängste und Bedenken
Besondere Sorgen gelten auch den Schülern mit neurodivergenten Entwicklungsprofilen. Diese Kinder benötigen oft mehr Unterstützung und Sicherheit auf ihrem Weg zur Schule. Aber wie sieht es mit der Sicherheit im Umfeld aus? In Favoriten, wo es bereits an Polizisten mangelt – nur 319 Beamte für über 223.000 Einwohner – wird die Entscheidung, die Schulwegsicherung zu reduzieren, als kurzsichtig kritisiert. Bezirksvorsteher Marcus Franz äußert scharfe Kritik an diesen Sparmaßnahmen und fordert eine Überprüfung. Schließlich sollte die Sicherheit der Kinder an erster Stelle stehen, oder nicht?
Die Argumente der Stadtpolizei, dass die örtlichen Gegebenheiten eine zusätzliche Sicherung nicht nötig machen, werden von vielen als unzureichend angesehen. Bodenschwellen und Gehsteigvorziehungen sollen die Sicherheit erhöhen, doch reicht das aus, um das Sicherheitsgefühl der Eltern zu beruhigen? Kommt es zu einem Paradigmenwechsel, wenn die Stadtplanung nicht die Schulmobilität berücksichtigt? Hier könnte die Idee von Schulstraßen, wie sie in anderen Städten wie Köln oder Berlin schon erfolgreich umgesetzt wurden, eine Lösung sein.
Neue Wege zur Sicherheit
Ein neues Rechtsgutachten und aktualisierte Leitfäden für Kommunen zur Umsetzung von Schulstraßen zeigen, dass es keine rechtlichen Ausreden mehr gibt. „Die Mobilitätswende muss auch an Schulen ansetzen“, sagt Steffen Brückner vom Kidical Mass Aktionsbündnis. Er spricht von einer Notwendigkeit, Schulstraßen als Basis für ein sicheres Schulwegenetz zu etablieren. Tempo 30 auf allen Schulwegen ist eine Forderung, die nicht nur in Städten wie Hamburg und Schleswig-Holstein Gehör findet, sondern auch in Favoriten ernsthaft diskutiert werden sollte.
In einem Online-Fachgespräch mit rund 300 Teilnehmenden hat sich gezeigt, dass es ein starkes Interesse an der Verbesserung der Schulwegsicherheit gibt. Es wird gefordert, dass die Verkehrsplanung endlich kindgerechter gestaltet wird. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Umsetzung bleibt oft eine Herausforderung. Wie viele Kinder müssen noch gefährliche Situationen erleben, bis man aktiv wird? Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen aus der Bevölkerung und die Forderungen nach einer besseren Planung in den Räumen der Entscheidungsfindung ernst genommen werden.
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