Heute ist der 2.06.2026, und in Wien Favoriten schlägt das Herz der Stadt ein wenig lauter. Die Ausstellung „Es kamen Menschen an“, die von der bemerkenswerten Dilara Gündüz kuratiert wurde, eröffnet heute ihre Pforten. Gündüz, 30 Jahre alt und als dritte Generation von Gastarbeitern aufgewachsen, hat sich auf eine emotionale Reise begeben, um die Geschichten der Migranten, die seit den 1970er Jahren in Österreich leben, festzuhalten. Als Enkelin eines Migranten aus Ankara, der 1971 nach Österreich kam und anfangs in bescheidenen Verhältnissen lebte, verspürt sie eine tiefe Verbundenheit zu diesen Erzählungen. „Oft habe ich nach den Gesprächen geweint“, gesteht sie und meint damit die intensiven Gespräche mit den ehemaligen Gastarbeitern, die sie porträtiert hat.

Die Ausstellung, die anlässlich des 60. Jahrestags des Anwerbeabkommens zwischen Österreich und der Türkei stattfindet, ist ein Herzensprojekt für Gündüz. Sie hat 20 ehemalige Migranten interviewt, um ihre individuellen Lebensgeschichten zu dokumentieren. „Es ist wichtig, die Menschen nicht nur als Teil einer großen, kollektiven Geschichte zu sehen“, sagt sie. Diese Biografien sind oft voller Schmerz, Hoffnung und unzähliger Erfahrungen, die das öffentliche Bewusstsein prägen sollten. Die Geschichten der Gastarbeiter, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft beitrugen, sind ein Teil unserer Geschichte, den wir nicht vergessen dürfen.

Ein Stück Heimat

Ein Blick in die Wiener Stadthalle zeigt, wie wichtig diese Geschichten sind. Hier versammeln sich Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien zu einer Veranstaltung, die nicht nur die kulturellen Wurzeln feiert, sondern auch ein Stück Heimat zurückbringt. Erwachsene und Kinder singen, klatschen und tanzen zu den Klängen nationaler Schlager. Es ist ein fröhliches Miteinander – ein Moment, der die Hektik des Alltags vergessen lässt. Die bunten Lichter und die fröhlichen Gesichter erinnern daran, dass die Migranten, die oft sparsam leben und hart arbeiten, ein unverzichtbarer Teil der österreichischen Gesellschaft sind.

Die Teilnehmer kommen aus Städten wie Zagreb, Split, Banja Luka und sogar aus kleinen Dörfern in Montenegro. Während die Sängerin jugoslawische Volksweisen anstimmt, werden Blumen auf der Bühne verteilt – eine Geste des Dankes und der Anerkennung für die Künstler und ihre Geschichten. Viele Gastarbeiter, die hier zusammenkommen, haben Ängste bezüglich ihrer Arbeitsplätze, besonders in Zeiten der Energiekrise. Doch das Gefühl, dass die Wirtschaft sie braucht, gibt ihnen Hoffnung.

Bildung und Bewusstsein

Gündüz weiß um die Herausforderungen, vor denen die Gastarbeiter stehen. Deshalb gibt sie Workshops an Schulen, um das Bewusstsein für die Erfahrungen von Migranten zu schärfen. „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen verstehen, woher die Geschichten kommen und wie sie unsere Gesellschaft geprägt haben“, erklärt sie. In diesen Workshops geht es um Identität, Zugehörigkeit und die oft übersehenen Lebensrealitäten der Migranten. Die Geschichten, die sie in der Ausstellung präsentiert, sind nicht nur Erinnerungen, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, diese Stimmen zu hören und zu respektieren.

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In einer Zeit, in der die Diskriminierung von Migranten immer noch ein Thema ist, ist Gündüz‘ Engagement ein Lichtblick. Die Ausstellung wird vom 2. bis 18. Juni an der Pädagogischen Hochschule in Wien gezeigt und wandert danach in die Hauptbibliothek beim Urban-Loritz-Platz. Es ist eine Einladung, die Geschichten zu hören, die uns alle betreffen. Denn letztendlich sind wir alle Teil dieser bunten, vielfältigen Gesellschaft, die ohne die Beiträge der Gastarbeiter nicht dasselbe wäre. Die Geschichten leben weiter – durch die Stimmen derer, die kamen und blieben.