In den letzten Wochen hat eine Petition für den Erhalt des Steinitzstegs für Rad- und Fußverkehr in Brigittenau für Aufsehen gesorgt. Mit über 1.000 Stimmen hat die Petition, die von Anna Karall initiiert wurde, bereits die erforderliche Zahl von 500 Stimmen überschritten, um im Petitionsausschuss behandelt zu werden. Ein Termin für die Behandlung steht allerdings noch aus. Die Unterschriften wurden seit der Veröffentlichung der Petition am 16. Februar, als sie mit 932 Unterstützern startete, schnell gesammelt. Die Bürgerinnen und Bürger fordern, dass der Steinitzsteg während der geplanten Sanierung der Nordbrücke für Radfahrer und Fußgänger erhalten bleibt oder zumindest ein adäquater Ersatz geschaffen wird.
Ab 2028 wird die Nordbrücke für Instandhaltungsarbeiten gesperrt, die bis Ende 2031 andauern sollen. Während dieser Zeit soll der Steinitzsteg als Ausweichroute für den Autoverkehr dienen, was jedoch für Radfahrer und Fußgänger zu einer massiven Einschränkung führen könnte. Unklar ist, wie diese Verkehrsteilnehmer die Donau während der Sperre queren sollen, da der Umweg das Doppelte der normalen Querung betragen könnte. Die Radlobby kritisiert zudem, dass die Stadt den Radverkehr einschränkt, obwohl Verbesserungen in der Radinfrastruktur kommuniziert werden. Im Wiener Stadtentwicklungsplan 2035 wird festgelegt, dass bis 2030 85% der täglichen Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden sollen.
Herausforderungen für Radfahrer und Fußgänger
Die geplante Sperre des Steinitzstegs ab 2027/28 wird voraussichtlich fünf Jahre dauern. In dieser Zeit sind für Radler und Fußgänger lediglich beschilderte Alternativrouten vorgesehen, jedoch keine Ersatzbrücken. Das Umleitungskonzept, das die Stadt und die Asfinag derzeit erarbeiten, soll vor der geplanten Sperre veröffentlicht werden. Eine mögliche Umleitung könnte über den Wasserpark und die Floridsdorfer Brücke führen, doch aufgrund von Höhenunterschieden wird diese Route ungern genutzt. Die Petition fordert, dass der Steinitzsteg zumindest eingeschränkt begeh- und beradelbar bleibt oder ein Ersatzsteg errichtet wird, um die Donau während der Sanierung der Nordbrücke sicher überqueren zu können.
Der Steinitzsteg als wichtige Verkehrsader
Der Steinitzsteg wurde 1997 für den Fuß- und Radverkehr geöffnet und war ursprünglich als Ausweichroute für den Autoverkehr gedacht. Seine Route gilt als angenehm und konfliktfrei im Vergleich zu anderen Routen, weshalb der Erhalt des Stegs für viele Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung ist. Täglich fahren fast 100.000 Fahrzeuge über die Nordbrücke, was die Notwendigkeit einer zuverlässigen Querungsmöglichkeit für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer unterstreicht.
Der Steinitzsteg könnte also eine zentrale Rolle im urbanen Verkehrsnetz und der sozialökologischen Verkehrswende spielen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die neue Ausgabe des Journals für Mobilität und Verkehr, die sich mit dem Thema „Radverkehr im urbanen Raum“ befasst, zahlreiche innovative Ansätze und Herausforderungen in der Radverkehrsplanung beleuchtet. Die Publikation, die unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Claudia Hille steht, behandelt unter anderem die Sicherheitsauswirkungen unterschiedlicher Radverkehrsführungsformen und die Bedeutung eines gut durchdachten Radverkehrsnetzes für die Mobilität der Zukunft. Interessierte können das vollständige Journal unter diesem Link abrufen.
Die laufende Petition und die damit verbundenen Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, dass alle Verkehrsteilnehmer in die Planung und Erhaltung der Verkehrsinfrastruktur einbezogen werden. Nur so kann eine nachhaltige und gerechte Mobilität für alle gewährleistet werden.