Der letzte Vorhang im brut nordwest: Ein Abschied und ein neuer Anfang für die Wiener Theaterlandschaft
Heute ist der 12.06.2026, und es ist ein ganz besonderer Tag in der Brigittenau. Das brut nordwest, ein Ort, der mehr als fünf Jahre lang das Areal des Nordwestbahnhofs mit Leben, Kunst und Theater gefüllt hat, schließt seine Türen für immer. Der letzte Vorhang fällt am Pride-Wochenende, und die letzte Vorstellung ist für den 13. Juni angesetzt. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt für Kira Kirsch, die künstlerische Leiterin, die uns durch diese Zeit geführt hat!
Man kann sich an all die mutigen Experimente, die spannenden Begegnungen und die zahlreichen Uraufführungen erinnern, die in diesen Räumen stattgefunden haben. Kirsch hat sich nicht nur bei ihrem Team, den Künstlern und den treuen Unterstützern bedankt, sondern auch ein ganzes Kapitel Wiener Theatergeschichte geprägt. Abschiedsplakate mit dem Titel „The Final Stage of the Ephemeral“ hängen bereits an den Wänden und lassen erahnen, wie sehr uns dieser Ort fehlen wird.
Ein neuer Anfang in St. Marx
Doch das brut gibt nicht auf. Ab der Saison 2026/27 wird ein neuer künstlerischer Leiter, Tomasz Kireńczuk, die Zügel übernehmen. Bereits jetzt gibt es Pläne für die neue Hauptspielstätte in der Karl-Farkas-Gasse 16, einer denkmalgeschützten ehemaligen Zentralbankzweigstelle. Die Renovierung soll bis Herbst 2027 abgeschlossen sein. Man darf gespannt sein, was dort für ein kreatives Feuerwerk auf uns wartet!
In der Übergangssaison bis dahin plant das brut, verschiedene Orte rund um die neue Spielstätte zu bespielen. Es ist ein bisschen wie ein Wanderzirkus, der die Stadt erobert, und wir können uns auf einiges freuen. Und auch, wenn aktuell keine weiteren Veranstaltungen im brut nordwest geplant sind, könnte ein kleiner Flohmarkt im Winter noch einmal für ein bisschen Nostalgie sorgen.
Ein Programm, das begeistert
Die letzte Saison ist mit einem aufregenden Programm gefüllt. Kira Kirsch und ihr Team haben es sich nicht nehmen lassen, mit Klimathemen und einem barrierefreien Programm für blinde und sehbehinderte Menschen neue Wege zu gehen. Ab 8. Oktober wird die Choreografie „Low“ von Karin Pauer zu sehen sein und ich kann nur sagen, dass ich schon jetzt total gespannt darauf bin. Auch die Performance „every day display“ von Jan Machacek & Angélica Castelló bringt frischen Wind in die Sache.
Ein weiteres Highlight ist der performative Balladenabend „Im Styx baden“ von Matteo Haitzmann. Da kann man sich kaum entscheiden, was man zuerst erleben möchte! Und nicht zu vergessen, das Imagetanz-Festival, das von 4. bis 28. März 2026 kuratiert wird. Ein wahres Fest für alle Tanzliebhaber!
Ein Blick zurück
Um die Bedeutung des brut in der Wiener Theaterlandschaft richtig zu würdigen, lohnt es sich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Theatergeschichte in Wien hat eine lange Tradition, die im Mittelalter mit christlichem Drama und Passionsspielen begann. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich zahlreiche Theaterformen entwickelt, und das brut hat stets einen wichtigen Teil dieser Geschichte dargestellt, auch wenn es oft heimatlos war.
Von den Anfängen im Künstlerhaus über die Zwischennutzungen bis hin zu den zukünftigen Projekten in St. Marx – das brut ist ein Beispiel für die Dynamik und die ständige Veränderung in der Kunstszene. Wir werden sehen, wie sich das brut weiterentwickelt und welche neuen Impulse es in die Wiener Theaterlandschaft bringen wird. Bis dahin bleibt uns nur, die letzten Tage im brut nordwest in vollen Zügen zu genießen und uns auf das zu freuen, was kommt!
