Ein ganz besonderer Besuch fand am 19. Mai 2026 im Bregenzer Rathaus statt. Bürgermeister Michael Ritsch empfing den Sohn von Holocaust-Überlebenden, Robert Kasirer. Ein Ereignis, das nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch die Erinnerung an eine tragische Vergangenheit lebendig hält. Robert Kasirer kam 1949 in Bregenz zur Welt. Seine Eltern, Reisi und Jakob Kasirer, überlebten die Schrecken des Holocaust: Seine Mutter überlebte Auschwitz, während sein Vater in einem Zwangsarbeiterlager gefangen war. Man kann sich kaum vorstellen, was diese beiden durchgemacht haben, und doch sind sie nach Bregenz zurückgekehrt, um einen Neuanfang zu wagen.
Die Kasirers lebten von Dezember 1946 bis 1954 in der Quellenstraße 21, wo sie ihre Wurzeln schlugen, bevor sie in die USA auswanderte. Der Bürgermeister und Vertreter des Stadtarchivs empfingen Kasirer bei seinem emotionalen Besuch, unterstützt von Yves Bollag, dem Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung des Jüdischen Friedhofs in Hohenems, und Raphael Einetter vom Jüdischen Museum Hohenems. Es war ein Treffen voller Erinnerungen, bei dem Robert Kasirer eindringlich von den Erlebnissen seiner Familie berichtete. Zudem überreichte das Stadtarchiv Kopien historischer Unterlagen zur Familie Kasirer – ein schönes, wenn auch bittersüßes Geschenk.
Erinnerungen und Begegnungen
Besonders berührend war die Wiederbegegnung mit Roswitha Steger, die Kasirer in seiner Kindheit babysittete. Sie tauschten Geschichten aus ihrer gemeinsamen Zeit aus, und die Erinnerungen wurden für einen kurzen Moment wieder lebendig. Auch der Besuch des ehemaligen Wohnhauses in der Quellenstraße 21 war ein wichtiger Teil des Tages. Dort traf Kasirer seinen ehemaligen Spielkameraden Ramon Schmid, der nun der Eigentümer des Hauses ist. Diese Wiederbegegnungen, die so viel mehr sind als nur Erinnerungen, bringen die Geschichte näher, lassen sie greifbar werden.
Robert Kasirer plant, im kommenden Sommer erneut nach Bregenz zurückzukehren, um die Stadt, die für seine Familie so viel bedeutet, wieder zu besuchen. Es ist faszinierend, wie die Vergangenheit in der Gegenwart weiterlebt, und wie wichtig es ist, diese Geschichten zu erzählen. Sie erinnern uns nicht nur an die Schrecken der Vergangenheit, sondern auch an die Kraft des Neuanfangs.
Ein Blick in die Geschichte
Die Erlebnisse von Robert Kasirers Eltern sind Teil einer viel größeren Geschichte, die sich während des Nationalsozialismus abspielte. Im Januar 1945 wurden Lagerinsassen auf grausame Weise aus ihren Unterkünften getrieben. Kinder mussten an die Spitze der Kolonne, während sie im Eiskalten marschieren mussten. Viele von ihnen starben während des Marsches oder wurden erschossen, wenn sie nicht weitergehen konnten. Die Überlebenden fanden sich in einem grässlichen Wettlauf um ihr Leben wieder – ein Wettlauf, der sie durch die schneebedeckten Straßen zu einem neuen, ungewissen Ziel führte.
Die Schrecken, die die Insassen im Konzentrationslager erlitten, sind kaum zu begreifen. Die Bedingungen waren unmenschlich: Hunger, Kälte und die ständige Furcht vor dem Tod. Nach einer langen und beschwerlichen Reise wurden sie schließlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Die Inschrift „Arbeit macht frei“ am Eingang war der schreckliche Hohn auf das, was sie erleiden mussten. Die Geschichten dieser Menschen, wie die von Robert Kasirers Eltern, sind nicht nur Erinnerungen an das Vergangene, sondern auch Mahnmale für die Zukunft.
Es ist wichtig, dass wir diese Geschichten teilen und die Menschen hinter den Zahlen und Statistiken sehen. Robert Kasirers Besuch in Bregenz ist nicht nur eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, sondern auch ein Akt des Erinnerns und des Gedenkens an die, die nicht mehr hier sind. Mit jedem Schritt, den er in seiner Heimatstadt macht, wird die Geschichte seiner Familie lebendig – und das ist es, was wir niemals vergessen dürfen.