Operette im Aufbruch: Tiroler Premiere begeistert trotz Vorurteile
Die Tiroler Luft war an diesem Abend durchzogen von einer besonderen Mischung aus Aufregung und Vorfreude. Die Premiere von Zellers „Vogelhändler“ stand an und die Bühne im Kurpark wurde zum Schauplatz eines bunten Treibens. Eine Gesellschaftsjournalistin äußerte gleich zu Beginn: „Operette ist so last season.“ Eine provokante These, die es zu widerlegen galt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin schlüpften sie in die Inszenierung und erklärten dem Publikum, worum es wirklich geht. Denn Operette, das zeigt sich schnell, hat weit mehr zu bieten, als man denkt.
Ariana Schirasi-Fard, die in einer pantomimischen Darbietung die bisherigen Vorkommnisse nachzeichnete, wusste das Publikum im Nu zu fesseln. Das Konzept der Inszenierung, meisterhaft von Michael Lakner entworfen und von Barbara Spitzer sowie Francesc Abós vollendet, entblätterte sich in einer üppig bewachsenen Naturkulisse, die von Stephan Prattes gestaltet wurde. Ein visuelles Fest für die Augen! Die Premiere wurde allerdings von den lauten Klängen der Veranstaltung „Baden in Weiß“ im Hintergrund begleitet. Doch statt die Darbietungen zu stören, schien die Musik hinter einem Grashügel platziert das Ensemble und die Musiker nur zu unterstützen.
Ein stimmiges Ensemble
Unter der Leitung von Michael Zehetner erlebte das Publikum ein Ensemble, das durch Flexibilität und Spielfreude bestach. Verena Tranker in der Rolle der Christl erhellte die Bühne mit ihrer stimmlich frischen und hellen Darbietung. Ein Kontrast dazu war Natalia Ushakova, die als Kurfürstin Marie besetzt war und für viele als Fehlbesetzung galt. Ihre Stimme klang schwer und schrill – das Publikum hatte Mühe, sich daran zu gewöhnen. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.
Clemens Kerschbaumer, der als Adam auftrat, brachte mit seinem absichtlichen Kauderwelsch die Tiroler Identität auf die Bühne. Seine Interpretation bekannter Lieder war ansprechend und die Darstellung des gekränkten Heiratswilligen stilvoll. Oliver Baier sorgte in der Trachten-Drag als Baronin Adelaide für herzhaftes Lachen, während Andreas Lichtenberger und Ricardo Frenzel Baudisch als Baron und Graf stimmlich überzeugten und mit ihren witzigen Einlagen das Publikum zum Schmunzeln brachten.
Ein unerwarteter Schluss
Der Abend endete mit einem unerwarteten, aber herzlichen Fazit der Reporterinnen: „Operette ja doch geil!“ Das Premierenpublikum, beflügelt von der Darbietung, quittierte diesen Satz mit tosendem Applaus. Ein schöner Beweis dafür, dass die Operette – trotz mancher Vorurteile – nach wie vor ihre Fans hat und diese auch begeistert.
Und ganz ehrlich? In einer Zeit, in der die kulturellen Wurzeln oft in Frage gestellt werden, erinnert uns die Operette an die Leichtigkeit des Seins. Es ist ein Genre, das, trotz seiner historischen Herausforderungen, wie den radikalen Umdefinitionen nach der Machtübernahme der NSDAP 1933, immer wieder neu interpretiert wird. Die Zeiten, in denen jazzige Klänge und jüdische Autoren aus den Spielplänen verbannt wurden, scheinen weit entfernt, aber die Wurzeln sind tief. Die Operette hat überlebt und blüht in den unterschiedlichsten Facetten auf, während sie gleichzeitig die kulturellen Geschichten der Vergangenheit in den Fokus rückt.
In Tirol, wo die Traditionen hochgehalten werden, ist es ein Fest, die Operette zu erleben – ganz gleich, welche Form sie annimmt. Ein Hoch auf die Kunst, die verbindet und erfreut!
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