Heute ist der 12.06.2026 und während ich hier in Kitzbühel sitze und die frische Bergluft einatme, ist es schwer, nicht an die Entwicklungen im österreichischen Sporthandel zu denken. Ein großes Thema, das uns alle betrifft, ist die schwierige Situation von Hervis, einem der größeren Sporthändler des Landes. Die Nachrichten sind nicht gerade rosig: Das Unternehmen hat angekündigt, ein Fünftel seiner Filialen zu schließen. Das betrifft um die 100 Mitarbeiter, die von diesen Schließungen direkt betroffen sind.

Die Schließungen erfolgen schrittweise, und bis 2026 sollen 17 von 93 Standorten in Österreich dichtgemacht werden. Dazu zählen Filialen wie das Q19 in Wien, Korneuburg und viele mehr. Auch die bereits geschlossenen Läden in Salzburg und Baden sind Teil dieser traurigen Bilanz. Der Grund? Mangelnde Ertragsfähigkeit – ein Begriff, der in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage leider allzu oft vorkommt.

Hintergründe und Herausforderungen

Im Jahr 2023 verzeichnete Hervis einen Verlust von 64 Millionen Euro, gefolgt von einem weiteren Verlust von 43 Millionen Euro im Jahr 2024. Das ist kein Pappenstiel! Der Umsatz sank von 261 Millionen Euro auf 253 Millionen Euro, was größtenteils mengenbedingt war. Die coronabedingte Umsatzexplosion in den Jahren 2020 und 2021 scheint längst vergessen, jetzt kämpfen alle gegen die Kaufzurückhaltung der Konsumenten, die durch hohe Inflation und wirtschaftliche Stagnation verstärkt wird.

Hervorzuheben ist, dass die Restrukturierung von Hervis auf zukünftige Markt- und Kundenanforderungen ausgerichtet werden soll. Mit dem Strategieplan HERVIS 4.0 wird auf Plattform-Ökonomie und einen digitalen Ansatz gesetzt, der in Q4 2026 erste Ergebnisse zeigen soll. Aber ob dies ausreicht, um das Ruder rumzureißen? Die Zeit wird es zeigen.

Dramatische Veränderungen in der Branche

Die Situation ist nicht nur bei Hervis angespannt. Der Sporthandel in Österreich ist ein stark umkämpftes Pflaster. Gigasport hat bereits Filialen geschlossen, und auch der norwegische Sporthändler XXL zieht sich aus Österreich zurück. Die Insolvenz des Grazer Outdoor-Ausrüsters Northland und die Insolvenz der Sport-2000-Genossenschaft Zentrasport sind weitere Alarmzeichen. Das Geschäft wird härter, und nicht nur die großen Player haben zu kämpfen, auch die kleinen, familiengeführten Geschäfte spüren den Druck. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Person in Österreich im Sporthandel liegen bei 266 Euro – ein Wert, der angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage fraglich erscheint.

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Der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportfachhändler Österreichs (VSSÖ) sieht jedoch Potenzial für eine positive Entwicklung, wenn politische Maßnahmen schnell umgesetzt werden. Vielleicht könnten Ansätze wie ein Reparaturbonus für Fahrräder oder die Anhebung der steuerfreien Zuverdienstgrenze für Pensionist:innen helfen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Branche zu stabilisieren. Wer weiß, vielleicht gibt es auch Licht am Ende des Tunnels für unsere Sporthändler!

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Lage entwickeln wird. Der Sporthandel ist nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein Teil unserer Kultur und Gesellschaft. Wir drücken die Daumen für alle, die in dieser Branche arbeiten und hoffen auf positive Wendungen in den kommenden Monaten.