In letzter Zeit hat sich an den Universitäten so einiges getan. Immer mehr Angehörige von Hochschulen müssen den Spagat zwischen Beruf oder Studium und Fürsorgeaufgaben meistern. Das ist keine einfache Sache – vor allem, wenn man bedenkt, wie oft das Thema Trauer am Arbeitsplatz einfach unter den Tisch fällt. Am 12. Mai 2026, zum Internationalen Tag der Pflege, wird dieser wichtigen Thematik jedoch ein Raum gegeben. Der Familienservice der Uni Innsbruck und die Med-Uni laden zu einer Info- und Vernetzungsveranstaltung ein. Das Thema? „Trauer am Arbeits-/Studienplatz“. Und das klingt nach einer Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte!
Von 12:00 bis 13:30 Uhr im Ágnes-Heller-Haus, SR 04M100 (4. Stock) wird die Mag.a Maria Streli-Wolf von der Tiroler Hospizgesellschaft Einblicke in die komplexen Themen Sterben, Tod und Trauer geben. Hier soll Raum für Fragen und Austausch geschaffen werden – eine wertvolle Möglichkeit, die eigene Sichtweise zu erweitern und vielleicht auch den ein oder anderen Ratschlag zu bekommen. Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich an betroffene sowie interessierte Uniangehörige. Wer sich anmelden möchte, kann dies ganz einfach per E-Mail an familienservice@uibk.ac unter dem Stichwort „Care“ tun.
Ein weiterer wichtiger Termin
Bereits eine Woche vorher, am 5. Mai 2026, findet eine Online-Veranstaltung statt, die sich mit dem Thema „Who cares? – Aufteilung von unbezahlter Care-Arbeit bei Paaren“ beschäftigt. Auch hier wird keine Teilnahmegebühr verlangt, und das Ganze wird in Österreichischer Gebärdensprache gedolmetscht. Ein weiterer Schritt in Richtung Sensibilisierung und Aufklärung, denn wir wissen, dass unbezahlte Care-Arbeit oft im Verborgenen bleibt.
In Österreich verbringen Frauen, im Durchschnitt, über sieben Stunden täglich mit unbezahlter Care-Arbeit – Männer etwas weniger. Diese ungleiche Verteilung zeigt sich auch in den Statistiken und wirkt sich nicht nur auf die individuelle Lebensqualität aus, sondern hat auch wirtschaftliche Dimensionen. Laut Berichten wird der wirtschaftliche Wert dieser unbezahlten Arbeit auf stolze 1,2 Billionen Euro geschätzt! Das ist kein Pappenstiel und wirft Fragen auf: Wie kann diese wichtige Arbeit gewürdigt werden? Wie können wir die Bedingungen für Care-Arbeit verbessern?
Ein Blick über die Grenzen
Schaut man über die Grenzen hinaus, beispielsweise zur Universität Bonn, so wird dort seit dem Wintersemester 2019 eine zertifizierte Zusatzqualifikation im Masterstudium angeboten. Hier lernen Studierende der Soziologie und Evangelischen Theologie, wie man mit Sterben, Tod und Trauer in der Arbeitswelt umgehen kann. Das ist ein wichtiger Schritt, denn in vielen Unternehmen wird das Thema Trauer oft totgeschwiegen. Dies führt nicht nur zu Unsicherheiten, sondern kann auch die Produktivität beeinträchtigen. Es ist höchste Zeit, dass wir hier ein Umdenken erleben!
Das Projekt „Trauerbegleitung am Arbeitsplatz“ könnte ein Modell für andere Länder sein. Es zielt darauf ab, Strukturen zu schaffen, die einen sensiblen Umgang mit Trauer ermöglichen. Denn wie oft haben wir schon erlebt, dass Trauernde in ihrer Zeit des Verlustes ignoriert oder nicht richtig wahrgenommen werden? Das bringt nicht nur eine emotionale Belastung mit sich, sondern kann auch langfristige Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben.
Der Bedarf an Care-Arbeit wird in einer alternden Gesellschaft voraussichtlich steigen. Flexible Arbeitszeiten und Angebote zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen sind daher unerlässlich. Es ist an der Zeit, dass wir uns als Gesellschaft gemeinsam auf den Weg machen, um die Herausforderungen, die mit Care-Arbeit einhergehen, zu meistern.