Im Innsbrucker Landhaus fand ein ganz besonderes Zeitzeuginnengespräch statt: Rozette Kats, Holocaust-Überlebende, sprach erstmals öffentlich in Österreich über ihre bewegende Geschichte. Rund 100 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, um zuzuhören, was sie zu erzählen hatte. Die Veranstaltung war schnell ausgebucht – kein Wunder, denn die Erzählungen von Menschen, die so viel durchgemacht haben, sind kostbare Zeitzeugnisse, die uns alle berühren.
Unter dem Titel „Damals hieß ich Rita“ teilte Kats ihre eindrucksvolle, aber auch tragische Kindheit. 1942 in Amsterdam geboren, musste sie als Kleinkind untertauchen, um dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen. Ein niederländisches Ehepaar nahm sie bei sich auf und gab ihr den Namen „Rita“. Während sie in der Sicherheit eines Verstecks lebte, wurden ihre Eltern und ihr kleiner Bruder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Es sind solche Erlebnisse, die einen tiefen Eindruck hinterlassen – nicht nur auf Kats, sondern auch auf all jene, die ihr heute zuhörten.
Ein Leben zwischen Versteck und Erinnerung
Bereits seit den 1990er-Jahren gibt Kats ihre Erfahrungen an Schulen in den Niederlanden und Deutschland weiter. Auch 2023 war sie bei der Gedenkstunde zum Internationalen Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag anwesend. Ihr Engagement ist bewundernswert und zeigt, wie wichtig es ist, die Erinnerungen lebendig zu halten. In Innsbruck war die Veranstaltung Teil der Initiative „Tirol erinnert“ und eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“, die im Landhaus zu sehen ist.
Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Land Tirol, der Universität Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol und weiteren Partnern entstanden ist, beleuchtet das Schicksal von Leokadia Justman, einer weiteren Jüdin, die ihre Identität verstecken musste, um zu überleben. Diese Parallelen zwischen Kats und Justman verdeutlichen die gemeinsamen Erfahrungen vieler jüdischer Frauen in Zeiten des Krieges.
Ein Blick in die Zukunft
Wer die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ besuchen möchte, hat noch bis Freitag, von 9 bis 17 Uhr, die Gelegenheit dazu. Und das ist noch nicht alles! Am 28. Mai findet im Rahmen von „Tirol erinnert“ eine Buchpräsentation von Józef Wiśnicki, dem Ehemann von Leokadia Justman, statt. Ein weiteres Highlight, das sich niemand entgehen lassen sollte.
Die Geschichten von Menschen wie Rozette Kats und Leokadia Justman erinnern uns daran, wie wichtig es ist, die Lehren aus der Vergangenheit nicht zu vergessen. Ihre Erzählungen und ihre Stärke sind nicht nur beeindruckend, sie fordern uns auch auf, aktiv zu werden und für eine bessere Zukunft einzutreten. Solche Veranstaltungen sind ein unverzichtbarer Teil unserer Erinnerungskultur, und das Engagement aller Beteiligten, sei es in Form von Ausstellungen, Vorträgen oder persönlichen Begegnungen, trägt dazu bei, dass wir nie vergessen.