In der Nordsee gibt es derzeit ein spannendes und gleichzeitig besorgniserregendes Schauspiel. Am Samstagmorgen ist ein Schiffskonvoi auf Kurs, um einen Buckelwal freizulassen. Der Konvoi setzt sich aus einem Schlepper, einer Barge, auf der sich der Wal befindet, und einem Begleitschiff zusammen. Die Route führt nördlich der Spitze Dänemarks in Richtung Norwegen, wo die Freisetzung des Wals an einem geheim gehaltenen Ort geplant ist. Der Wal selbst war am Freitagabend noch in der Barge, einem Lastkahn ohne eigenen Antrieb, gefangen.
Am Freitag musste der Kurs aufgrund hohen Wellengangs geändert werden, was eine Rückfahrt Richtung Süden zur Folge hatte. Während dieser Rückfahrt wurde das Absperrnetz an der Barge entfernt, jedoch wurde der Wal nicht freigesetzt. Am Freitagnachmittag konnte schließlich der Kurs Richtung Norden wieder aufgenommen werden. Die Schiffe passierten den Übergang von Ost- zu Nordsee in der Nähe der dänischen Stadt Skagen. Die Mitglieder der privaten Initiative betonen, dass jeder Kilometer in Richtung Nordsee entscheidend ist.
Der Weg des Buckelwals
Der Buckelwal war zuvor vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar gestrandet. Die private Initiative, die sich seit Mitte April für die Rettung des Wals einsetzt, versucht, ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen – und das gegen den ausdrücklichen Rat von Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen. Am Dienstag gelang es, den Wal erfolgreich in die Barge zu bugsieren, die von dem Mehrzweckschiff „Fortuna B“ gezogen wird.
Die Hintergründe dieser Rettungsaktion sind ebenso dramatisch. Der Buckelwal irrt seit Anfang März 2026 durch die Ostsee und strandete zunächst bei Niendorf, bevor er vor der Insel Poel landete. Der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), genehmigte diese private Rettungsaktion aufgrund des öffentlichen Drucks. Prominente Unterstützer wie der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert sind ebenfalls an Bord, um die Rettung zu ermöglichen.
Herausforderungen und Risiken
Der Wal ist 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und wiegt etwa 12 Tonnen. Zudem zeigt er Anzeichen von Krankheit und Schwäche, was die Überlebenschancen bei der Lebendbergung als gering erscheinen lässt. Experten warnen vor Netzresten im Maul des Wals, die die Nahrungsaufnahme und Atmung erschweren. Der Wal leidet unter „Fresh water skin disease“ aufgrund des niedrigen Salzgehalts der Ostsee.
Die Rettungsaktion wird von Veterinären des Landes beobachtet, doch die Verantwortung liegt bei den Initiatoren. Die Kosten der Rettungsaktion werden auf etwa 1.000 Euro geschätzt, wobei viele Retter ehrenamtlich arbeiten. Sollte der Wal sterben, ist eine Obduktion geplant, um die Todesursache und mögliche Krankheiten zu klären.
Ein Blick auf die Zukunft
Buckelwale leben normalerweise im Nordatlantik und Nordpazifik, wo sie sich von Krill und kleinen Fischen ernähren. In der Ostsee sind sie hingegen äußerst selten. Verirrungen in diese Region könnten durch Unterwasserlärm, Sonnenstürme oder Nahrungsmangel verursacht werden. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Buckelwal seine Reise in die Freiheit antreten kann oder ob er den Herausforderungen der Ostsee nicht gewachsen ist.