Heute ist der 3.06.2026 und das Geschehen rund um das 72. Bezirksschützenfest in Hall in Tirol sorgt für ordentlich Aufregung. Die Tiroler Schützen haben kurzerhand die Musikkapelle Speckbacher Stadtmusik vom Fest ausgeladen. Der Grund? Die Kapelle lässt auch Männer als Marketender mitmarschieren. Ein Schritt, der die Veranstalter dazu brachte, „Diskussionen zu vermeiden“, doch die Debatte hat sich mittlerweile verselbstständigt und ist alles andere als beigelegt.
In Anif, Salzburg, sieht die Sache ganz anders aus. Dort zeigt man sich offen für männliche Marketender, auch wenn aktuell keine vor Ort sind. Lukas Hagenauer, der Obmann der Musikkapelle Anif, hat ganz klar gesagt, dass die Marketenderinnen sich über männliche Unterstützung freuen würden. Das klingt ja fast nach einer Einladung! Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Tradition und Geschlechterrollen in den verschiedenen Regionen ausfällt.
Tradition trifft auf moderne Ansichten
Diskussionen über Geschlechterrollen bei Traditionsvereinen sind in Tirol nicht neu. Die Marketender, die ja traditionell für die Verpflegung der Musiker verantwortlich sind, stehen oft in der ersten Reihe der Marschformation und kümmern sich um Getränke und Snacks. Ihr Job reicht von der Versorgung mit Erfrischungen bis hin zum Verkauf von Schnaps – nicht zu verachten! Dennoch wurde erst kürzlich entschieden, dass Frauen am Gewehr nicht zugelassen sind. Die Frage ist, ob das wirklich zeitgemäß ist.
Im S24-Forum gehen die Meinungen auseinander. Einige sprechen sich klar gegen männliche Marketender aus und argumentieren, dass dies einen Rückschritt in der Gesellschaft darstellt. Andere verweisen auf die historische Sicht, dass es sich dabei um einen traditionell männlichen Beruf handelt. Der Begriff „Marketender“ hat seine Wurzeln im mittelalterlichen Militärwesen und bezeichnete ursprünglich Händler, die Truppen versorgten. Ein ganz schöner Spannungsbogen, der da aufgespannt wird!
Politische Reaktionen und die Zukunft der Tradition
Der Streit um die Ausladung hat sogar politische Wellen geschlagen. Haller Bürgermeister Christian Margreiter denkt darüber nach, Förderungen für das Fest zu streichen. NEOS und Grüne üben scharfe Kritik an den Schützen und sprechen von einem Rückschritt in der Gesellschaft. Da wird es brenzlig! Man fragt sich, wie lange die Tradition noch als Ausrede für solche Entscheidungen herhalten kann, ohne dass die Gesellschaft sich weiterentwickelt.
Das Schützenfest selbst findet am 28. Juni statt und es bleibt abzuwarten, wie die Situation sich bis dahin entwickelt. Es ist klar, dass die Diskussion über Geschlechterrollen in Traditionsvereinen nicht so schnell abflauen wird. Die Frage, wie weit wir bereit sind, mit unseren Traditionen zu brechen oder sie anzupassen, bleibt weiterhin spannend. Wer weiß, vielleicht bringt der Sturm, der gerade durch die Tiroler Schützen weht, auch frischen Wind für die Zukunft der Marketender und ihrer Rolle in der Gesellschaft.