Es gibt Momente im Leben, die einem das Gefühl geben, man steht auf einem glühenden Vulkan, und genau so könnte man die Situation um die Chronos Wohnbaugruppe in Graz beschreiben. Vor fast drei Jahren wurde ein Antrag für einen Bebauungsplan auf einem sieben Hektar großen Areal in der Gradnerstraße eingereicht – und was ist seitdem passiert? Nichts! Bis auf einen gewaltigen Scherbenhaufen an Verzögerungen und ein drohendes Bauverbot, weil ohne Bebauungsplan einfach keine Baubewilligung erteilt werden kann.

Robert Schöggl, der Geschäftsführer der Chronos Wohnbaugruppe, hat nun die Geduld verloren und fordert von der Stadt Graz einen Schadenersatz in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus Zeitverlust, Zinsen für Kredite und Darlehen sowie weiteren Verzögerungen zusammen. Und das alles, weil die Stadt es nicht hinbekommt, einen vollständigen Bebauungsplan zu beschließen – nach fast drei Jahren! Im Juli 2023 wurde der Antrag zur Bebauungsplanerstellung beim Stadtplanungsamt eingereicht, und die gesetzliche Entscheidungsfrist beträgt 18 Monate. Das klingt fast wie ein schlechter Witz.

Stadt Graz in der Kritik

Schöggl ist sichtlich sauer. Er kritisiert das „unnötige in die Länge ziehen“ des gesamten Prozesses und das Vorenthalten von Ergebnissen. Auch die Zusagen zur Bebauungsdichte von mindestens 0,8 wurden nicht eingehalten. Das Landesverwaltungsgericht hat bereits festgestellt, dass die Stadt im Verzug ist. Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs wird im Juni 2026 erwartet – das lässt die Beteiligten kaum ruhig schlafen.

Die Stadt wird mittlerweile heftig beschuldigt, die Planungs- und Investitionssicherheit zu zerstören und damit den Wirtschaftsstandort Graz zu schädigen. Der Frust ist greifbar, und es gibt viele, die sich fragen, wie lange diese Misere noch andauern soll. Zudem gibt es Berichte über mehrere ähnliche Fälle von Verzögerungen bei Bebauungsplänen in Graz, was die Situation nicht gerade besser macht.

Die Stimmen der Eigentümer:innen

Das Ganze erinnert stark an einen anderen Vorfall, der am 12. Dezember 2024 in der Stadt Graz beschlossen wurde. Der Bebauungsplan BBPL 17.24 wurde gegen die Interessen der Eigentümer:innen durchgewunken, und das trotz zahlreicher Hinweise auf fachliche und rechtliche Mängel. Vertreter:innen aller politischen Fraktionen wurden auf diese Missstände hingewiesen, doch die legitimen Interessen der Eigentümer:innen schienen in der politischen Entscheidungsfindung nicht zu zählen.

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Eigentümer:innen sehen sich nun gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten, um ihr Eigentum zu schützen – und das nach endlosen Diskussionen, die letztlich zu nichts führten. Bedauerlicherweise blieb auch der Versuch, die Situation mit Argumenten und Vernunft zu klären, erfolglos. Man muss sich schon fragen, wo das ganze politische Geschick geblieben ist.

Ein Aufruf zur Reform

Alexis Pascuttini, der Klubobmann des Freien Gemeinderats, hat die Problematik der langwierigen Bebauungsplanverfahren in Graz bereits mehrmals thematisiert. In einer Gemeinderatssitzung am 22. Januar 2026 konfrontierte er Vizebürgermeisterin Judith Schwentner mit offenen Fragen. Pascuttini kritisiert, dass wahltaktische Überlegungen immer wieder zu Verzögerungen führen, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Personal kosten.

Sein Ziel ist ein klarer Kurswechsel in der Stadtverwaltung. Er fordert schlankere Verfahren und eine stärkere Fokussierung auf die Kernaufgaben der Stadt. Die Detailverliebtheit bei Bebauungsplänen scheint ihm mehr und mehr zum Verhängnis zu werden. Transparenz über Maßnahmen zur Beschleunigung der Verfahren ist etwas, das die Bürger:innen mehr als nötig benötigen – und zwar schnell!

Inmitten dieser chaotischen Situation bleibt die Frage: Wie lange kann sich Graz noch leisten, in diesem Strudel aus Verzögerungen und Ungewissheit festzustecken? Die Zeit wird es zeigen, doch die Geduld der Bauwerber und Eigentümer:innen scheint schon jetzt am Ende zu sein.