In der bunten Welt der Getränke verschieben sich die Vorlieben der Konsumenten und das nicht erst seit gestern. Gerade in den USA zeigt eine aktuelle Analyse von Morning Consult, dass Bier und Wein zusammen etwa 27% des mentalen Anteils an Trinkanlässen ausmachen. Dabei hat das heimische Bier mit etwa 14% den höchsten Anteil, gefolgt von Wein mit 13% und importiertem Bier mit 10%. Besonders jüngere Konsumenten scheinen offener für eine breitere Auswahl, während sie ihren Alkoholgenuss zunehmend überdenken – insbesondere die Nutzer von GLP-1-Abnehmmedikamenten. Diese Entwicklung könnte auch Auswirkungen auf den heimischen Markt in Österreich haben, wo ähnliche Trends zu beobachten sind.
Der wichtigste Anlass für den Genuss von Alkohol bleibt das „Entspannen zu Hause“, was mit 41% den höchsten mentalen Anteil hat. Hier sind Domestic Beer (43%) und Wein (41%) nahezu gleichauf. Auf der anderen Seite gewinnen Ready-to-drink-Cocktails und THC-Getränke ebenfalls an Bedeutung, mit Anteile von 24% bzw. 22%. Die mentale Penetration von Wein ist bemerkenswert hoch, bei 82% im Vergleich zu Domestic Beer mit 76%. Interessanterweise zeigen sich hier auch geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen assoziieren Wein häufiger mit Entspannung, während Männer diesen Genuss eher mit gewohnheitsmäßigen Anlässen verbinden.
Die Herausforderungen der Brauwirtschaft
Doch nicht nur die Konsumgewohnheiten verändern sich, auch die Brauwirtschaft selbst hat mit Herausforderungen zu kämpfen. Der Preis- und Kostenradar „Deutscher Biermarkt“ von Roland Berger hebt hervor, dass die Branche unter rückläufigem Absatz und gestiegenen Produktionskosten leidet. Kleine und mittelständische Brauereien sind besonders stark betroffen. Die Kostensteigerungen übertreffen häufig die Anpassungen der Preise im Handel, was die wirtschaftliche Lage der Brauereien zusätzlich verschärft. So ist der weltweite Bierkonsum bereits seit Jahren rückläufig, was sich auch in Deutschland bemerkbar macht.
In den letzten 31 Jahren sank der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland um rund 35 Prozent, eine Entwicklung, die durch eine kritischere Haltung gegenüber Alkohol und ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein bedingt ist. Die Konsumgewohnheiten der jüngeren Generationen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Während der Konsum klassischer Biere abnimmt, gewinnen alkoholfreie Varianten und Biermischgetränke an Bedeutung. Dennoch können diese neuen Produkte den Rückgang des Gesamtverkaufs nicht kompensieren, was die Branche vor enorme Herausforderungen stellt.
Ein Blick auf die Zukunft
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) berichtet ebenfalls von einem rückläufigen Alkoholverbrauch in Deutschland, was sich auch auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Alkohol auswirkt. In den letzten Jahren ist die Zahl der regelmäßig trinkenden Jugendlichen sowie der Rauschtrinker gesunken, was positiv zu werten ist. Immer mehr Menschen zeigen ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein und sind sich der toxischen Wirkungen von Alkohol auf das zentrale und periphere Nervensystem bewusst. Dies könnte langfristig zu einer nachhaltigen Veränderung der Trinkkultur führen.
Insgesamt zeigt sich, dass sowohl der Bier- als auch der Weinmarkt in einem Wandel begriffen sind. Während das heimische Bier nach wie vor eine große Rolle spielt, zeigt Wein eine breitere Anwendungsvielfalt und gewinnt an Assoziationen, die über den gewohnten Konsum hinausgehen. Die Branche muss sich den veränderten Trinkgewohnheiten anpassen, um weiterhin relevant zu bleiben. Ob diese Entwicklung auch in Österreich spürbar sein wird, bleibt abzuwarten – eines ist jedoch sicher: Die Liebe zu guten Getränken bleibt bestehen, auch wenn sich die Vorlieben wandeln.