Ein literarischer Geburtstag: Zauners Meisterwerk erobert die Bühne in Rainbach
In Rainbach, einem malerischen Ort im Innviertel, wird bald ein ganz besonderes Ereignis gefeiert. Der 90. Geburtstag des Schriftstellers Friedrich Ch. Zauner wird mit einem außergewöhnlichen Kulturprojekt gewürdigt. Ab Donnerstag, dem 18. Juni, gibt es die Uraufführung der Bühnenfassung seines literarischen Hauptwerks „Im Schatten der Maulwurfshügel“. Das Ganze ist ein spannender Schritt in eine neue Ära, denn die Rainbacher Spiele, die bis dato vor allem für ihre Bibelzyklen bekannt waren, öffnen mit dieser Produktion ein neues Kapitel.
Die Regisseurin Babett Arens hat das umfangreiche Werk, das aus 1.000 Seiten besteht, auf eine zweiteilige Theaterfassung reduziert. Der erste Teil „Im Schatten der Maulwurfshügel“ wird in diesem Jahr präsentiert, während sich der zweite Teil „Und die Fische sind stumm“ erst 2027 auf die Bühne wagt. Die Handlung spielt in den fiktiven Weiler Thal, Oed und Fegfeuer zwischen 1900 und 1917. Sie thematisiert bäuerliche Traditionen und den Wandel der alten Ordnung, während die Zuschauer in den Alltag der Menschen vor 125 Jahren eintauchen.
Ein Blick in die Vergangenheit
Friedrich Ch. Zauner, der 1936 in Rainbach geboren wurde, hat in seinen Werken das Leben in dieser Region mit bemerkenswerter Detailgenauigkeit beschrieben. Zentrale Figuren seiner Geschichte sind Maurits, ein Findelbub, und Theres, die rebellische Wirtstochter. Rund um diese Hauptfiguren entfaltet sich ein vielschichtiges Dorfpanorama mit verschiedenen Charakteren. Die Bedrohung durch den Ersten Weltkrieg und die politischen Umwälzungen des Kaiserreichs beeinflussen das Leben der Dorfbewohner stark. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Menschen damals gelebt haben – so nah und doch so fern.
Musikalisch wird das Ganze durch Lieder des Passauer Komponisten Matthias Deger untermalt, die vom Schärdinger Juvenis Chor gesungen werden. Es wird ein Erlebnis für die Sinne, das nicht nur die Ohren, sondern auch das Herz berührt. Die Aufführungen finden vom 18. Juni bis zum 5. Juli statt und dauern etwa drei Stunden, inklusive einer Pause – also genug Zeit, um in die Welt von Zauner einzutauchen.
Die Rainbacher Spiele und ihr Erbe
Der Theaterstadel in Rainbach, der 2009 für die Rainbacher Spiele erbaut wurde, war bislang vor allem für die dramatisierten Bibelstoffe bekannt. Der gemeinnützige Kulturverein Rainbacher Evangelienspiele hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen aller Altersstufen und Konfessionen für diese Geschichten zu begeistern. Doch ab 2025 wird es einen programmatischen Richtungswechsel geben, weg von den Bibelspielen hin zu breiteren kulturellen Projekten. Mit dieser Aufführung von Zauners Werk wird der erste Schritt in diese neue Richtung gewagt.
Zauner selbst gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Autoren der Gegenwart. Sein Lebenswerk, das die gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts beleuchtet, wird durch die Rainbacher Spiele an ein breiteres Publikum herangetragen. Seine Stücke wurden nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und der Schweiz uraufgeführt. Dass er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Roswitha Zauner, vier Kinder hatte und in seiner Heimatgemeinde Rainbach Ehrenbürger war, zeigt, wie sehr er in seiner Region verwurzelt war.
Ein kulturelles Fest
Die Rainbacher Spiele schlagen mit dieser Produktion ein neues Kapitel auf, und viele freuen sich schon darauf, die Geschichten von Zauner auf der Bühne lebendig werden zu sehen. Die Partnerschaften mit dem Opern-Fest Schärding und ein geplantes Benefizkonzert des Bruckner Orchesters verheißen ein vielfältiges kulturelles Angebot. Man kann gespannt sein, wie die Zuschauer auf die persönliche Schicksalsgeschichte und die sozialhistorischen Aspekte reagieren werden. Dieses Theaterprojekt wird nicht nur ein Fest der Kultur, sondern auch ein ehrendes Gedenken an einen großartigen Schriftsteller und seine tiefgründigen Werke.
