Die Stadt Ried im Innkreis steht diesen Sommer vor einer besonderen Herausforderung: Der traditionelle Ferienpass wird in diesem Jahr nicht in gewohnter Form angeboten. Dies gab Bürgermeister Bernhard Zwielehner (ÖVP) bekannt, nachdem die zuständige Angestellte das Team verlassen hat. Die Stelle konnte intern nicht besetzt werden, weshalb nun eine neue Jugendkoordinatorin gesucht wird. Leider bedeutet dies, dass es heuer kein Übersichtsheft über die zahlreichen Angebote geben wird, die normalerweise für die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stehen.

Obwohl eine Website mit den Angeboten aus dem Vorjahr noch verfügbar ist, wird die Übersicht für diesen Sommer nicht bereitgestellt. Zwielehner betont, dass die personellen Kapazitäten momentan fehlen und die Ferienpassaktion in dieser Form nicht realisiert werden kann. Diese personellen und finanziellen Engpässe sind laut Zwielehner die Auswirkungen der vergangenen Jahre als Härteausgleichsgemeinde.

Vereine übernehmen die Initiative

Doch die Stadt bleibt nicht ganz ohne Freizeitmöglichkeiten. Verschiedene Vereine werden trotz der Situation Ferienangebote wie Workshops, Schnitzeljagden und Kurse veranstalten. Diese Initiativen bieten den Kindern dennoch eine Möglichkeit, die Sommerferien aktiv zu gestalten. Die SPÖ-Stadtgruppe äußert jedoch Unzufriedenheit über die aktuelle Lage und hebt die Bedeutung des Ferienpasses für faire Chancen und eine ausgewogene Freizeitgestaltung hervor.

Vizebürgermeister Peter Stummer (SPÖ) kritisiert zudem die Kommunikation innerhalb der städtischen Politik und die verspätete Reaktion auf die Situation. Er betont, dass es die Aufgabe der Gemeinde sei, die Ferienangebote zu koordinieren, um Terminkollisionen zu vermeiden und eine einheitliche Anmeldung zu gewährleisten. Der Rieder Ferienpass existiert seit etwa 20 Jahren, und erst 2022 wurde die Stelle der Jugendkoordinatorin besetzt. Der Verlust dieser Position wirkt sich nun deutlich auf das Angebot aus.

Personalmangel als weitreichendes Problem

Die Situation in Ried ist nicht isoliert. Der Städte- und Gemeindebund warnt vor einem drohenden Personalmangel in der öffentlichen Verwaltung, der sich bis 2030 auf rund 230.000 fehlende Kräfte belaufen könnte. Aktuell sind mehr als 100.000 Stellen in den Kommunen unbesetzt, und in den nächsten zehn Jahren werden annähernd 500.000 der 1,65 Millionen Beschäftigten in den Kommunen in den Ruhestand gehen. Geschäftsführer Andre Berghegger warnt vor einem „schleichenden Blackout“, der die Daseinsvorsorge gefährden könnte.

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Die Auswirkungen dieses Personalmangels sind spürbar: Sie betreffen nicht nur die Behörden, sondern auch die Bearbeitungszeit von Anträgen. In der öffentlichen Verwaltung, in Kitas und vielen anderen Bereichen ist der Fachkräftemangel bereits jetzt zu spüren. Berghegger sieht Künstliche Intelligenz als Teil der Lösung und fordert flexible Arbeitszeitmodelle sowie eine Neuorganisation der Aufgaben im öffentlichen Dienst, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

In Ried zeigt sich die Problematik in der konkreten Auswirkung auf die Sommerferienangebote. Es bleibt zu hoffen, dass die Suche nach einer neuen Jugendkoordinatorin schnell vorankommt, damit die Kinder und Jugendlichen in Ried bald wieder von einem umfassenden Ferienpass profitieren können.