In der Linzer Innenstadt gibt es immer wieder Überraschungen, die einem die Sprache verschlagen. Da ist zum Beispiel ein Kunde, der sich kürzlich in einer Bäckerei ein Schinkensemmerl gönnen wollte. Was er dann erlebte, hätte er wohl nicht für möglich gehalten: 5,90 Euro für ein Wurstsemmerl! „Das gibt’s ja nicht – 5,90 für ein Wurstsemmerl!“, rief er empört. Um seinen Unmut zu bekräftigen, kaufte er das Semmerl und verlangte einen Kassazettel als Beweis. Irgendwie verständlich, denn wer würde so einen Preis glauben? Der Betrag liegt weit über dem, was die meisten Linzer für ein einfaches Schinkensemmerl erwarten würden.

Die Bäckerei bietet immerhin die Möglichkeit, das Semmerl mit Kren und Gurkerl zu verfeinern. Ob dafür ein Aufpreis fällig wird, fragte der Kunde jedoch nicht mehr. Vielleicht hätte er das tun sollen, um sich nicht noch mehr zu wundern. Aber solche Preise sind nicht das einzige, was die Linzer gastro-mäßig beschäftigt. Eine Leserin aus Oberösterreich berichtete von ihrer eigenen Überraschung, als sie in einem Restaurant eine Rechnung über 70 Cent für eine Scheibe Zitrone bekam. Auch sie stellte fest, dass es nicht um den Betrag an sich geht. Es geht um Transparenz und Gastfreundschaft. Kleine Zusatzkosten können schnell einen schlechten Eindruck bei den Stammgästen hinterlassen – und das will schließlich niemand.

Preise, die zum Staunen anregen

Es ist nicht bloß ein Einzelfall. Die Preise für Speisen in Restaurants sind seit Anfang 2022 um mehr als 26 Prozent gestiegen. Hochgerechnet auf die letzten Jahre ist das eine ganz schöne Hausnummer. Die Hauptursachen? Hohe Personalkosten und die Mehrwertsteuer, die das Ganze noch zusätzlich aufbläht. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gehen die Gäste seltener essen und wählen zunehmend günstigere Gerichte. Eine deutliche Reaktion auf die steigenden Preise!

Im ersten Halbjahr 2025 haben Hoteliers und Gastronomen real 15,1 Prozent weniger Umsatz erzielt als im Jahr 2019. Auch die Arbeitskosten sind seit 2022 um mehr als 34 Prozent gestiegen. Lebensmittel, alkoholfreie Getränke und Energie? Rund 30 Prozent teurer! In vielen klassischen Restaurants machen die Personalkosten schon mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus. Da ist es kein Wunder, dass 72 Prozent der Unternehmer in der Branche kaum in notwendige Investitionen investieren konnten. Die Gastronomie steckt wahrlich in einer Krise, und das spüren auch die Gäste.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Buchungslage für August und September wird von einem Drittel der Gastronomen als schlecht oder sehr schlecht eingeschätzt. Das macht keinen guten Eindruck. Ab Anfang 2024 soll die Mehrwertsteuer auf Restaurantessen wieder 19 Prozent betragen, nachdem sie zuvor auf 7 Prozent gesenkt war. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Senkung bleibt bestehen, wie es im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung versprochen wurde. 44 Prozent der befragten Betriebe denken darüber nach, ihren Gästen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, unter der Voraussetzung, dass sich die Kostenentwicklung stabilisiert.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In Linz und darüber hinaus bleibt die Situation angespannt. Die Gastronomie hat sich in Ballungsgebieten zwar etwas erholt, doch auf dem Land ist es ein anderes Bild. Nachfolger für viele Betriebe zu finden, ist alles andere als einfach. Die Frage bleibt: Wie wird sich die Preislandschaft in der Gastronomie weiterentwickeln? Und werden die Linzer weiterhin bereit sein, für ihre geliebten Semmerl derart tief in die Tasche zu greifen? Die Antworten darauf sind so ungewiss wie die nächste Rechnung im Restaurant.