Im Bezirk Linz-Land ist die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. Lange Wartezeiten, überfüllte Kassenordinationen und ein Mangel an verfügbaren Terminen prägen den Alltag vieler Patient:innen. Eine aktuelle Umfrage der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass nur 35 Prozent der Befragten mit ihrer Gesundheitsversorgung zufrieden sind. Das ist ein Rückgang um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr – ein alarmierendes Signal, das nicht ignoriert werden kann.

Besonders schmerzhaft ist die Erfahrung, wenn man auf einen Facharzttermin oder sogar einen operativen Eingriff warten muss. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, länger als drei Monate auf einen solchen Wartetermin zu warten. Und kaum jemand kann sich dem Druck entziehen: 58 Prozent fühlen sich stark durch die langen Wartezeiten beeinträchtigt. Im Klartext: Wer in Linz-Land auf medizinische Hilfe angewiesen ist, sieht sich oft mit schier unüberwindbaren Hürden konfrontiert.

Strukturelle Herausforderungen und der Druck auf das System

Das Gesundheitssystem in Oberösterreich steht unter enormem Druck. Strukturelle Probleme belasten nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Patient:innen selbst. Unterversorgung, hohe Kosten und eine fragwürdige Qualität der Versorgung treiben die Menschen in die Verzweiflung. Die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik haben zu lange weggesehen. Die Arbeiterkammer hat das erkannt und ein Dashboard entwickelt, das die Strukturdaten des Gesundheitssystems aufzeigt. Hier können die Sichtweisen von Beschäftigten und Versicherten nachverfolgt werden – eine Art offenes Buch, das Einblick in die Probleme gibt.

Die Daten zeigen, dass die Zufriedenheit mit der kassenärztlichen Versorgung durch Fachärzt:innen bei nur 28 Prozent liegt, während im ländlichen Raum gar nur 25 Prozent der Menschen zufrieden sind. Im Gegensatz dazu liegt die Zufriedenheit mit Hausärzt:innen und den Spitälern bei etwa 40 Prozent – das ist immerhin ein kleiner Lichtblick. Doch die Kluft zwischen Stadt und Land wird immer deutlicher. In Linz sind es 34 Prozent, die mit der Versorgung zufrieden sind, während die ländliche Bevölkerung mit 25 Prozent weit hinterherhinkt.

Ein Frage der Gerechtigkeit

Gerade in Zeiten, in denen die Kosten für medizinische Behandlungen steigen, wird der Zugang zur Gesundheitsversorgung zunehmend zur Frage des Geldes. Besonders betroffen sind Personen mit unzureichendem Einkommen. Hier sind es 70 Prozent, die sich durch lange Wartezeiten stark belastet fühlen. Ein Teufelskreis, der nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch das gesamte System unter Druck setzt. 56 Prozent der Befragten greifen auf Wahlarzt- oder Privatordinationen zurück, nur um schneller einen Termin zu bekommen. Das ist ein Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen bereit sind, in die Tasche zu greifen, um nicht monatelang warten zu müssen.

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Die Forderungen der Arbeiterkammer sind klar: Kürzere Wartezeiten, eine rasche Nachbesetzung der offenen Kassenstellen und der Ausbau von Primärversorgungszentren müssen jetzt angepackt werden. Darüber hinaus wird ein vollständiger Kostenersatz für Wahlärzte gefordert, wenn keine Kassenangebote zur Verfügung stehen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Forderungen Gehör finden und die Verantwortlichen endlich handeln. Denn die Gesundheit der Menschen sollte nicht zur Frage des Geldes werden. Die Unzufriedenheit ist da, und sie wird lauter. Wer weiß, vielleicht wird der Wind bald drehen.