In Hallstatt, einem der malerischsten Orte Österreichs, gab es am Dienstag ein beunruhigendes Ereignis, das selbst erfahrenen Kletterern den Schweiß auf die Stirn trieb. Gegen 11 Uhr erlebten drei Kletterer während einer Tour in der Echernwand einen plötzlichen Steinschlag. Es war gerade die 6. Seillänge einer Route mit der Schwierigkeit UIAA VI+, als die Wand zu vibrieren begann und sie einen Schwarm von herunterfallenden Steinen sahen. Ein Moment der absoluten Ungewissheit, der alles verändern könnte! Zum Glück blieben die Kletterer unverletzt, aber ihre Rucksäcke, die unten gelagert waren, hatten weniger Glück – durchlöchert von den herabfallenden Steinen.
Der Vorfall wurde schnell der Polizeidienststelle Bad Goisern gemeldet. Die Alpinpolizei stellte fest, dass ein etwa 2×2 Meter großer Felsblock auf einer Höhe von 920 Metern abgerutscht war. Der Block fiel über 100 Meter und zerbrach beim Aufprall auf einem Felsvorsprung in viele kleinere Steine, die bis zu 300 Meter tief zu Boden fielen. Ein dramatisches Spektakel, das die fragilen Gegebenheiten der Berge eindrucksvoll verdeutlicht.
Risikobewusstsein in den Bergen
In diesem Sommer gab es in den Alpen einen regelrechten Anstieg an Bergrettungseinsätzen. Zählt man die Einsätze in Österreich von Mai bis September zusammen, kommt man auf 3.674 Einsätze – etwa 200 mehr als im zehnjährigen Schnitt, aber 500 weniger als im Sommer 2024. In den Bayerischen Alpen wurden 3.041 Personen gerettet, wobei die Zugspitze besonders häufig betroffen war. Komischerweise scheinen immer mehr Bergsportler die Bergrettung zu rufen, wenn sie entweder vor Erschöpfung nicht mehr weiter können oder das Terrain falsch einschätzen. In Österreich machen solche Notrufe etwa jeden dritten Notruf aus. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Berge für viele inzwischen mehr eine Kulisse als ein ernstzunehmendes Terrain sind.
Zudem ist der Klimawandel nicht zu ignorieren. Er hat die Berge gefährlicher gemacht, was sich in vermehrten Steinschlägen und instabilen Bedingungen zeigt. Steinschlag ist zwar ein natürlicher Prozess, wird aber durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen beschleunigt. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen, die in die Berge aufbrechen, sich der Risiken nicht ausreichend bewusst sind. Über die sozialen Medien wird zwar viel über Bergsport berichtet, aber oft fehlen wichtige Warnungen vor den Gefahren.
Bergrettung und ihre Herausforderungen
Hinter den Einsätzen der Bergrettung stehen engagierte Ehrenamtliche, die regelmäßig trainieren müssen, um im Ernstfall effektiv helfen zu können. Ihre Arbeit ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch gefährlich. Jährlich verunglücken mehrere hundert Menschen beim Bergsport, wobei die Hälfte der Todesfälle auf schwere Stürze oder Steinschläge entfällt. Die andere Hälfte betrifft internistische Notfälle, wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, oft bei Männern über 50 Jahren. Die Bergretter werden über Pager kontaktiert und müssen oft improvisieren, denn jedes Terrain erfordert seine eigene Strategie.
Die Finanzierung der Bergrettung erfolgt durch private Spenden, Mitgliedsbeiträge und staatliche Förderungen. Ein Helikopterflug kann dabei mehrere Tausend Euro kosten, und viele unverletzt Gerettete müssen die Flugkosten selbst übernehmen, was nicht gerade leicht ist. Arbeitgeber müssen ihre Angestellten für Einsätze freistellen und werden finanziell kompensiert. Trotz all dieser Herausforderungen bleibt das Engagement der Bergretter ungebrochen, denn die Sicherheit der Bergsportler hat höchste Priorität.
In der Alpin-Saison 2024/25 sehen wir eine neue Dimension der Herausforderung: Die Bergrettung wird immer mehr zur Notwendigkeit, und das Bewusstsein für Risiken, die die Berge mit sich bringen, ist wichtiger denn je.