In Freistadt wird dieses Jahr ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert – das Mühlviertler Schlossmuseum wird stolze 100 Jahre alt! Ein Grund zum Feiern, aber auch ein Anlass, zurückzublicken auf das, was das Museum zur Region beigetragen hat. Die gute Nachricht ist, dass die Existenz des Museums bis 2033 gesichert ist. Dafür sorgt ein Jahresbudget von 100.000 Euro, das aus verschiedenen Quellen stammt: Das Land Oberösterreich steuert 50.000 Euro bei, die Stadtgemeinde Freistadt gibt 25.000 Euro dazu, und die Braucommune sowie weitere Sponsoren füllen die Kasse mit weiteren 25.000 Euro auf.
Im Jahr 2023 liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf einem historischen Ereignis, das die Region stark geprägt hat: dem oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626. Dieser Aufstand war nicht nur ein bedeutendes Kapitel der bäuerlichen Geschichte im Inn- und Mühlviertel, sondern auch eine Zeit, in der 260 Familien ihre Heimat verloren haben. Historische Dokumente, die der Stadtschreiber während des Krieges festhielt, geben uns einen tiefen Einblick in die damaligen Geschehnisse.
Ein Fest für die ganze Region
Die offizielle Eröffnung der Ausstellung findet am 5. September im malerischen Innenhof des Schlossmuseums statt. Damit nicht genug – es gibt auch zahlreiche begleitende Veranstaltungen, die für Abwechslung sorgen werden! Von Publikationen über Radiosendungen bis hin zu Kulturfahrten und dem beliebten Café Memory wird für jeden etwas geboten. Besondere Beachtung finden auch die umliegenden Gemeinden wie Rainbach, Lasberg, Kefermarkt, Schenkenfelden und Reichenau, die ebenfalls in die Feierlichkeiten einbezogen werden.
Ein weiteres großes Thema des Museums ist das EU-Projekt „Weg des Salzes“, das mit satten 1,5 Millionen Euro gefördert wird. Hier arbeiten die Partnergemeinden Gmunden, Freistadt, Rainbach/M. sowie Bujanov, Velesin und Budweis (Tschechien) zusammen. Das Ziel ist die Neugestaltung des zweiten Obergeschosses im Südtrakt des Schlosses, mit einem barrierefreien Zugang durch einen Lift und vielleicht sogar einem gemütlichen Café. Die Bundesimmobiliengesellschaft hat bereits ihre Unterstützung bei der Erneuerung des Schlossmuseums zugesichert – da tut sich also einiges.
Ein Blick in die Geschichte
Ein wenig historische Kontext kann nicht schaden. Die Bauernaufstände in Oberösterreich sind ein wichtiges Kapitel der Geschichte, das zwischen dem Hochmittelalter und dem 19. Jahrhundert zahlreiche Konflikte zwischen Bauern und Grundherren hervorgebracht hat. Seit der ersten Erhebung im Jahr 1356 sind insgesamt 62 historisch dokumentierte Aufstände bekannt. Die Gründe waren oft sozialer und teilweiser religiöser Natur – besonders nach der Reformation war der Druck auf die Bauern groß. Sie forderten mehr Rechte, freie Religionsausübung und die Wahl ihrer Pfarrer durch die Gemeinde. Kirchen und Klöster waren häufig die Grundherren, was die Situation für die Bauern zusätzlich verkomplizierte.
Der Höhepunkt dieser Aufstände fand in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges statt, als der oberösterreichische Bauernkrieg 1625/26 tobte. Mit etwa 12.000 Toten hinterließ dieser Krieg seine Spuren in der Geschichte und im Gedächtnis der Region. Die politischen Veränderungen und Reformen von Maria Theresia und Joseph II. führten zwar zum Abflauen der Aufstände, doch die rebellische Stimmung kehrte mit der Restauration unter Metternich zurück. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen endeten erst 1848 mit der Abschaffung der Grunduntertänigkeit.
In Freistadt wird also nicht nur ein Jubiläum gefeiert, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte erlebbar gemacht. Ein Besuch im Mühlviertler Schlossmuseum lohnt sich auf jeden Fall – nicht nur für Geschichtsbegeisterte, sondern für alle, die mehr über die Wurzeln und Kämpfe der Region erfahren möchten.