Am 7. Juni 1926 war es soweit – Zwettl, das Herz des Waldviertels, erlebte seinen ersten Zuchtviehmarkt. Ein Ereignis, das nicht nur die Landwirte, sondern auch die gesamte Region in Aufregung versetzte! Der Zuchtviehmarkt war nicht einfach nur ein Marktplatz, sondern ein Schaufenster erstklassiger Zuchttiere, die hier zum Auftrieb angeboten wurden. Gemeinden und Genossenschaften hatten die Möglichkeit, ihren Bedarf an Zuchttieren zu decken. Und das Beste daran? Man konnte sogar reinrassige Vertreter der Waldviertler Blondviehrasse aus anderen Bezirken bewundern und erwerben. Der Auftrieb begann pünktlich um 8 Uhr und war bis 11 Uhr zu beenden – das war der Zeitplan!
Doch was wäre ein solches Ereignis ohne die Ehrung der Verdienste? Der Bundespräsident verlieh dem n.-ö. Bezirks-Obertierarzt Ferdinand Kuchlbacher in Zwettl den Titel eines Veterinärrates. Ein feierlicher Moment, der die Bedeutung dieser Veranstaltung unterstrich und die Arbeit der Tierärzte in den Vordergrund stellte. Die Atmosphäre war geprägt von Aufregung und Erwartung – der Duft von frischem Heu und das Rufen der Tiere vermischten sich mit den Stimmen der Landwirte, die ihre besten Stücke präsentierten.
Ein Stück Geschichte
Die Wurzeln der Rinderzucht in Österreich reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bis 1848 war die Rinderzucht durch Patrimonialherrschaft und staatliche Regelungen stark beeinflusst. Gubernialverordnungen und kaiserliche Hofdekrete bestimmten Fütterung, Zucht und Seuchenbekämpfung. Doch nach der Auflösung der Untertänigkeitsverhältnisse konnten die Bauern endlich Eigeninitiative zeigen. So begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Import von Zuchttieren durch Gutsbesitzer und Bauern. Ein wahrer Wendepunkt! Vor allem die Flachlandgebiete des Habsburgerreiches profitierten von Zug- und Zuchttieren aus den Alpen. Das Ackerbauministerium förderte die Rinderzucht durch Rinderschauen, und schon bald fanden die ersten Landestierschauen in Kärnten und Tirol statt.
Die Milchwirtschaft nahm in den 1870er Jahren Fahrt auf, da die Preise für Getreide und Schafwolle sanken. Politische und fachliche Unterstützung durch Experten und Vereine trugen dazu bei, dass die Milchwirtschaft florierte. 1926 war nicht nur das Jahr des Zuchtviehmarktes in Zwettl, sondern auch ein Jahr, in dem der Völkerbundkredit genehmigt wurde. Dies führte zur Errichtung neuer Käsereien und Molkereien, was die Milchproduktion im Land enorm steigerte. Von 1.201.665 Tonnen im Jahr 1919 stieg die Produktion bis 1923 auf 1.827.245 Tonnen – ein echter Erfolg! Vorarlberg wurde zum wichtigsten Käseproduzenten in Österreich in den 1920er Jahren und die erste Molkereischule wurde 1883 in Klagenfurt gegründet.
Die Bedeutung des Zuchtviehmarktes
Der Zuchtviehmarkt in Zwettl hat nicht nur die Entwicklung der Rinderzucht in der Region beflügelt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität geleistet. Die genossenschaftlichen Betriebe, die sich durch den Zusammenschluss von Bauern formierten, übernahmen wirtschaftliche Aufgaben und schlossen sich zu Verwertungszentralen zusammen. Diese Entwicklungen trugen dazu bei, dass die Landwirtschaft in Österreich nach den schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg systematisch wieder aufgebaut wurde.
Heute, am 9. Mai 2026, blicken wir auf die Geschichte zurück und erkennen, wie weit wir gekommen sind. Die Tradition des Zuchtviehmarktes lebt weiter und verbindet Generationen von Landwirten, die stolz auf ihre Tiere sind. Die landwirtschaftlichen Wurzeln, die in diesen Märkten liegen, sind ein unverzichtbarer Teil unserer Kultur – und das wird auch in Zukunft so bleiben. Wer weiß, vielleicht gibt es bald auch in Zwettl wieder einen Zuchtviehmarkt, der die Menschen zusammenbringt und die Landwirtschaft feiert!