In der Sitzung des Landesbauernrates in Wiener Neustadt-Land wurde die Zukunft der größten agrarpolitischen Organisation Österreichs, des NÖ Bauernbundes, mit rund 100.000 Mitgliedern, intensiv behandelt. Anlässlich des 120-jährigen Bestehens des NÖ Bauernbundes legte Bauernbundobmann LH-Stv. Stephan Pernkopf die politische Standortbestimmung dar und betonte die Notwendigkeit eines neuen Zukunftsprogramms. Dieses soll dazu beitragen, die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft zu stärken – ein Thema, das angesichts der aktuellen Krisen, Kriege und Katastrophen von höchster Relevanz ist.
Direktor Paul Nemecek wies auf die schwierige wirtschaftliche Lage hin, in der die Landwirtschaft steckt: Die Preise fallen, während die Kosten immer weiter steigen. Dies führt zu einem dringenden Handlungsbedarf, insbesondere in Bezug auf den Agrardiesel. Während in anderen EU-Staaten Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden, laufen diese in Österreich 2025 aus. Die Forderung nach einer Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit ist daher umso drängender.
Das Zukunftsprogramm im Detail
Das neu entwickelte Zukunftsprogramm ist das Ergebnis von 26 Jugendgesprächen, Diskussionsveranstaltungen mit 800 Gemeindevertretern und einer umfangreichen Mitgliederumfrage. Es zielt darauf ab, zentrale Schwerpunkte wie die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung des ländlichen Raums in den Fokus zu rücken. Interessierte können das Programm online unter www.noebauernbund.at/zukunftsprogramm abrufen.
Der Agrarsektor in Österreich steht nicht nur vor Herausforderungen, sondern ist auch offen für innovative Lösungen. Trotz des nördlichen Klimas sind die Möglichkeiten, welche Kulturen angebaut werden können, begrenzt. Dennoch trägt der Primärsektor, zu dem Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei gehören, etwa 2,5 % zur gesamten Bruttowertschöpfung Österreichs bei, was über dem EU-Durchschnitt liegt. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit einer starken und resilienten Landwirtschaft für die heimische Wirtschaft.
Strukturen und Strategien
In Österreich gibt es mehr als 110.000 landwirtschaftliche Betriebe, wobei jeder Betrieb durchschnittlich etwa 20 Hektar Land bewirtschaftet. Rund 3,5 Millionen Menschen leben in ländlichen Gebieten, was 40 % der österreichischen Bevölkerung entspricht. Diese Regionen machen 75 % des österreichischen Grundgebietes aus und sind ein wesentlicher Teil der Identität unseres Landes.
Die österreichische Strategie für die Landwirtschaft zielt darauf ab, die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Betriebe zu sichern. Durch Investitionen, Wissenstransfer und Innovationen soll die Lebensqualität in ländlichen Gebieten weiter verbessert werden. Mit dem GAP-Strategieplan für die Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik 2023-27 kann Österreich eine klare Richtung einschlagen, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten und den Schutz der natürlichen Ressourcen zu fördern.
Insgesamt zeigt sich, dass die heimische Landwirtschaft vor großen Herausforderungen steht, jedoch auch zahlreiche Ansätze zur Stärkung und Sicherung ihrer Zukunft entwickelt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politische Landschaft und die Marktbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln werden.