In Waidhofen an der Ybbs blickt man auf eine lebendige Tradition zurück, die nicht nur die Straßen, sondern auch die Herzen der Menschen erobert. Da ist zum Beispiel der Name Adalbert Schlager, ein akademischer Maler, der zwischen 1920 und 2002 lebte und in den 1950er und 60er Jahren mit seiner Fassadenkunst in Sgraffito-Technik für Furore sorgte. Ein besonders bekanntes Werk von ihm findet sich an der „Neuen Heimat“-Wohnhausanlage in der Julius-Jax-Gasse. Dort prangt ein eindrucksvolles Sgraffito-Motiv: sieben Meter hoch und vier Meter breit, es zeigt die Türkenpfeifer, die in traditioneller Tracht mit zwei Schwegelpfeifen, einer kleinen Trommel und einem Fez dargestellt sind. Ein echter Hingucker, der nicht nur die Wände der Stadt schmückt, sondern auch Geschichten erzählt!

Der Brauch der Türkenpfeifer ist tief verwurzelt in der Geschichte der Waidhofner Sensenschmiede. Und so wird auch am 20. Juni 2026, um 18 Uhr, wieder das „Gassattengehen“ gefeiert. Musiker werden durch die Straßen ziehen und den alten Heischebrauch lebendig halten – ein Fest, das einfach dazugehört! Der „Bote von der Ybbs“ berichtete bereits am 25. Juni 1954 über dieses Ereignis, das bis in die Türkenzeit zurückreicht. Dabei tragen die Sensenschmiede einen Weinständer, der angeblich von den Türken erobert worden sein soll. Und das ist noch nicht alles: Der Weckruf „Auf in Gottsnam, die Türken san do!“ hallt durch die Gassen und lässt niemanden unberührt.

Die Sensenschmiede und ihr Erbe

Die Sensenschmiede haben nicht nur ein Privilegium vom Stadtrat für ihre Verteidigung der Stadt im Jahr 1532 erhalten, sie kämpfen auch heute noch um ihr Überleben. Der technische Fortschritt hat die einst blühende Sensenindustrie stark beeinträchtigt. Früher war sie eine bedeutende Exportindustrie, doch die Zeiten haben sich geändert. Dennoch wird der Brauch des „Gassattengehens“ am Vorabend des Jahrtages der Sensenschmiede gefeiert, und das trotz der finanziellen Schwierigkeiten, die ihn begleiten. Der Bürgermeister füllt den Weinständer mit Wein, und die Sensenschmiede ziehen mit Musik zu angesehenen Bürgern – ein Fest der Gemeinschaft.

Die Sgraffito-Technik, die Schlager meisterhaft beherrschte, stammt übrigens aus Italien. Sie beinhaltet das Auftragen von grauem bis schwarzem Rohputz, auf den eine dünne Schicht weißer Putz aufgetragen wird. Im feuchten Zustand werden dann die Konturen von Figuren und Ornamenten ausgestochen. Diese Technik war besonders in der Renaissancezeit beliebt und findet sich in vielen niederösterreichischen Städten. In Eggenburg, zum Beispiel, kann man das „Bemalte Haus“ bewundern, das zwischen 1533 und 1547 errichtet wurde und mit einem reichen Sgraffitodekor überzogen ist. Auch in Waidhofen hinterlassen solche Werke ihre Spuren und bringen die Geschichte zum Leben.

Ein Blick in die Mediathek

Wer sich für die Traditionen und die Geschichte Österreichs interessiert, sollte unbedingt einen Blick in die Österreichische Mediathek werfen. Dort gibt es zahlreiche Audio- und Videodokumente, die für privates Anhören oder Ansehen zur Verfügung stehen – und das ganz ohne die Notwendigkeit, Kopien anzufertigen! Wer trotzdem etwas in die Hand nehmen möchte, kann sich an die Mediathek wenden, um Anfragen nach Kopien von Archivdokumenten zu stellen. Aber denkt dran: Herunterladen ist nur bei bestimmten Ausnahmen erlaubt!

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Die Rückkehr zu den Wurzeln, die Wiederbelebung alter Bräuche und das lebendige kulturelle Erbe – all das spiegelt sich nicht nur in den kunstvollen Fassaden wider, sondern auch in den Herzen der Menschen, die mit Stolz auf ihre Traditionen blicken. In Waidhofen wird das Leben gefeiert, und die Straßen sind Zeugen eines bunten, geschichtsträchtigen Treibens, das auch in Zukunft lebendig bleibt.

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