Der Vatertag am 14. Juni 2026 steht vor der Tür und wirft ein Licht auf das, was es heißt, ein Vater zu sein – besonders hier in Niederösterreich. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Vorstellung von Vaterschaft erheblich gewandelt. Wurden Väter früher oft nur als Versorger wahrgenommen, sind sie heute aktiv am Familienleben beteiligt. Das zeigt sich auch im Alltag von Thomas und Verena Greilinger aus der Nähe von Langenlois, die mit ihren vier Söhnen ein buntes Familienleben führen.
Thomas, ein Lehrer, hat sich bereits zum dritten Mal in Karenz begeben, um die Entwicklung seiner Kinder hautnah zu erleben. „Es ist wichtig, präsent zu sein und Zeit mit den Kindern zu verbringen“, sagt er. In seiner eigenen Kindheit gab es kaum klischeehafte „Männerdinge“ – sein Vater übernahm Aufgaben wie Kochen und Nähen. Diese unkonventionelle Sichtweise prägt auch Thomas’ Erziehung. Verena hingegen sieht die Aufgabenverteilung in der Familie als ausgeglichen an, wobei Thomas die Care-Arbeit mehr in den Fokus rückt. „Wären die ganzen Verantwortungen nur bei mir, hätten wir sicher keine vier Kinder“, scherzt sie. Der Alltag mit so vielen kleinen Wirbelwinden erfordert viel Planung und Koordination, kein leichtes Unterfangen.
Emotionale Verbindung und Wandel der Vaterschaft
Thomas beschreibt den Alltag als einen Drahtseilakt. „Man kann nicht immer allen Bedürfnissen gerecht werden.“ Dennoch ist ihm wichtig, offen über Gefühle zu sprechen. „Weinen ist nichts Schwaches“, betont er und hofft, dass seine Söhne zu starken, reflektierten Männern heranwachsen. Verena äußert eine große Wertschätzung für Thomas als Vater. Diese Emotionen sind nicht nur in ihrer Familie spürbar. Markus Hippmann, ein Experte für Familienfragen, bestätigt ähnliche Beobachtungen: Die Rolle der Väter hat sich in der emotionalen Entwicklung ihrer Kinder stark verändert. Das klassische Bild vom Ernährer, der die Familie versorgt, während die Mutter die Erziehung übernimmt, ist kaum noch existent.
Die gesellschaftliche Landschaft hat sich verändert – und das hat Auswirkungen auf die Väter selbst. Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts stieg der Anteil der Väter, die Elterngeld in Anspruch nehmen, auf über 29%. Allerdings beziehen viele Väter dieses Geld oft nur für wenige Monate. Die Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und neue Lebensentwürfe fordern Väter heraus, sich familienbedingt Auszeiten zu nehmen. Ein Umdenken ist nötig: 61% der Väter mit Kindern unter 16 Jahren empfinden Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Diese Realität zeigt, dass die Notwendigkeit von Abstimmungsprozessen zwischen Paaren bezüglich Beruf und Familie wichtiger denn je ist.
Ein neues Bild von Vaterschaft
Die Geschlechterbilder und gesellschaftlichen Leitbilder von Vaterschaft haben sich gewandelt. Während 1982 noch 71% der Männer der Meinung waren, dass der Mann voll berufstätig sein sollte, sind es 2012 nur noch 31%. Immer mehr Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern, und 72% von ihnen geben an, dass ihre betrieblichen Rahmenbedingungen wenig Rücksicht auf Eltern nehmen. Die Väter-Kind-Beziehung hat positive Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, weshalb eine gleichmäßige Aufteilung der Verantwortung für Familie und Haushalt entscheidend ist.
In Ostdeutschland sind Mütter traditionell häufiger erwerbstätig, während Väter stärker in Haus- und Familienarbeit involviert sind. Hier zeigt sich, wie regional unterschiedliche Rollenbilder entstehen. Man könnte sagen, dass Väter heute nicht mehr nur die „Hüter des Geldes“ sind, sondern aktiv am Familienleben teilnehmen wollen – und das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Wandel der Vaterschaft bleibt ein zukunftsträchtiges Thema, das sowohl gesellschaftlich als auch politisch von Bedeutung ist.