In den ländlichen Regionen Niederösterreichs wächst die Sorge um die tierärztliche Versorgung von Großtieren. Die Tierärztekammer warnt seit Jahren vor einem drohenden Mangel an Großtierärzten. Besonders betroffen sind die westlichen und südlichen Bezirke, wo die Zahl der verfügbaren Tierärzte kontinuierlich sinkt. So viele erfahrene Großtierpraktiker gehen in den Ruhestand, und die jungen Nachfolger scheinen rar gesät zu sein. Der Rückgang hat viele Gründe – hohe Arbeitsbelastung durch Bereitschafts- und Notdienste, eine Flut an Bürokratie, und dann ist da noch die Frage der wirtschaftlichen Planbarkeit, die vielen Tiermedizinern Sorgenfalten auf die Stirn treibt.
Es ist fast wie ein Teufelskreis. Die Arbeitsbedingungen in der Nutztierpraxis sind herausfordernd. Viele Tierärzte ziehen es vor, in städtischen Gebieten zu arbeiten, wo die Nachfrage nach tierärztlicher Versorgung höher und die Arbeitsbedingungen angenehmer sind. Landwirte berichten von zunehmenden Schwierigkeiten, zeitnah Unterstützung zu erhalten. Oft müssen sie selbst für die Organisation von Notdiensten sorgen, was zusätzlich belastet. Ein richtiges Dilemma, das nicht nur die Tierärzte, sondern auch die Tierhalter vor große Herausforderungen stellt.
Ein Blick auf die Ursachen
Ein Grund für den Rückgang ist die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer kann schon ständig bereitstehen, während das Leben um einen herum weitergeht? Die Tierärztekammer hebt hervor, dass es dringend bessere Rahmenbedingungen braucht, um mehr Berufsanwärter für den Großtierbereich zu gewinnen. Es ist nicht nur eine Frage des Engagements, sondern auch der Unterstützung. Während in der humanmedizinischen Versorgung Subventionen fließen, bleibt die tiermedizinische Notversorgung weitgehend unberücksichtigt.
Die Probleme, die hierzulande auftreten, sind nicht einzigartig. In der DACH-Region, seit den frühen 2000er-Jahren, verschärft sich der Mangel an Tierärztinnen und Tierärzten, besonders in den ländlichen Gebieten. Ein Blick über die Grenzen zeigt ähnliche Herausforderungen: In den USA klagen Landtierärzte über lange Arbeitszeiten, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten und Sicherheitsbedenken. Das ist schon ein wenig beunruhigend, wenn man darüber nachdenkt, wie wichtig eine flächendeckende tierärztliche Versorgung für die Gesundheit der Nutztiere ist.
Ein Aufruf zur Veränderung
Politik und Tierhalter sind gefragt, rechtzeitig zu handeln. Es gibt Bestrebungen, die Situation zu verbessern, aber konkrete Maßnahmen sind bisher oft in der Warteschleife. Warum? Wir könnten über die Notwendigkeit von flexibleren Arbeitsmodellen, attraktiven Arbeitsbedingungen und einer Reduzierung administrativer Hürden sprechen. Anreize für junge Tierärzte sollten geschaffen werden, damit sie sich für die Nutztierpraxis entscheiden. Es ist ja nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Engagements und der Leidenschaft für die Tiere.
Am Ende des Tages ist es klar: Die flächendeckende tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum steht auf der Kippe. Und das betrifft nicht nur die Tierärzte selbst, sondern auch die Landwirtschaft und das Tierwohl. Wenn wir nichts tun, könnte es bald zu spät sein. Vielleicht ist es an der Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.