Kunst zwischen Hügeln: Die Entdeckung der Fake-Ausgrabungsstätte in Paasdorf
Inmitten der sanften Hügel des Weinviertels, genauer gesagt in Paasdorf, findet sich ein ganz besonderes Kunstwerk, das die Herzen der Kulturinteressierten höher schlagen lässt. Die Rede ist von der „Fake-Ausgrabungsstätte“ des Künstlerpaares Prinzgau/Podgorschek. Ein etwa zehn Meter langes Stück Autobahn, das im Jahr 1995 erbaut wurde, gilt mittlerweile als die „Wiege der Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich“. Ein spannendes Konzept, das den Betrachter dazu anregt, über die Bedeutung von Kunst und deren Platz in unserer Gesellschaft nachzudenken.
Seit dem Inkrafttreten des NÖ Kulturförderungsgesetzes am 1. Juli 1996 hat sich viel getan. Die Förderung künstlerischer Gestaltung ist nicht mehr direkt an Bauaufgaben gebunden, was den kreativen Köpfen mehr Freiheit gibt, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Jährlich fließen rund 800.000 Euro in Projekte, Wettbewerbe und die Erhaltung von Kunstwerken. Ein echter Segen für die Kulturlandschaft, die unter dem visionären Kulturstadtrat und späteren Bürgermeister Christian Resch (1956–2020) florierte.
Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen
In Paasdorf gibt es noch mehr zu entdecken. Das „Mahnmal für verlorene Artenvielfalt“ von Ingeborg Strobl, geschaffen im Jahr 1999, thematisiert den Rückgang der Rinderrassen in Niederösterreich. Es ist faszinierend, wie Kunst nicht nur ästhetisch ansprechend sein kann, sondern auch wichtige gesellschaftliche Themen aufgreift. Ein weiterer Höhepunkt ist das erst kürzlich eröffnete Klangatoll von Andrea Sodomka und Martin Breindl: Hier verschmelzen Naturklänge mit den Geräuschen der Zivilisation und schaffen eine harmonische Verbindung zur Umwelt – und das alles mit Strom aus einer Solaranlage!
Allerdings hat die zeitgenössische Kunst im ländlichen Raum auch ihre Herausforderungen. Vorurteile und der Umgang mit der Natur stellen oft Hürden dar, die es zu überwinden gilt. Umso wichtiger sind die Vermittlungsaktivitäten, die den Menschen die Kunst näher bringen. Eine Sitz-Arena von Anna Vasof bietet beispielsweise einen beliebten Versammlungsort, während die Skulpturengruppe „Peer Group“ von Gabriele Edlbauer, die leider etwas schlecht gealtert ist, zum Nachdenken anregt.
Ein Netzwerk der Kreativität
Die Abteilung für Kunst im öffentlichen Raum hat seit 1996 über 600 Projekte realisiert. Mehr als 300 permanente Kunstwerke sind mittlerweile in der Region verstreut. Manch einer könnte sagen, diese Kunstwerke sind wie kleine Kristallisationskerne für das gesellschaftliche Leben. Es ist nicht nur der Anblick der Werke, der begeistert, sondern auch die Geschichten, die sie erzählen. Die Website www.koernoe.at bietet eine tolle Möglichkeit, alle Projekte zu durchstöbern und sogar Vorschläge für Radtour-Routen zu finden.
Ein interessantes Projekt, das die Region noch lebendiger macht, ist die Kunstrallye. Hier können Teilnehmer eine Karte mit einem Stempelpass für Weinviertel, Wachau und St. Pölten erhalten und haben die Chance, eine „Kunstnadel“ zu gewinnen. Ein Anreiz, der nicht nur für Kunstliebhaber, sondern auch für Familien spannend ist. Die Pulkautal Biennale, die vom 15. bis 19. Juli in Hadres stattfindet, versammelt zudem zahlreiche prominente Künstler und ist ein weiteres Highlight des kulturellen Kalenders.
Kunst, die verbindet
Die Kunst im öffentlichen Raum hat in Niederösterreich seit den 1990er-Jahren einen festen Platz eingenommen. Es gibt autonome Skulpturen, temporäre Kontextualisierungen und sogar Projekte in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Die Bedeutung der Vermittlung wird hierbei nicht unterschätzt: Begegnungen mit Kunst sind oft direkt und unerwartet, und die jährlichen Programme thematisieren Kunst und Gesellschaft auf spannende Weise. Projekte wie das mobile Vermittlungsprogramm INVENTOUR und die Broschüre „Kunst für alle“ sorgen dafür, dass Kunst für jeden zugänglich ist.
Die Zukunft der Kunst im öffentlichen Raum bleibt vielversprechend. Workshops mit verschiedenen Künstlern und Experten sind bereits in Planung, um Kindern und Jugendlichen einen kreativen Zugang zu ermöglichen. So bleibt Kunst in Niederösterreich lebendig, vielfältig und vor allem aufregend. Ob prominent oder versteckt in der Landschaft – die Kunst hat in dieser Region einen Platz gefunden, der zum Staunen und Nachdenken anregt.
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